HZ-Interview: Der Polit-Satiriker Mathias Richling gastiert am 4. Juni in Bad Hersfeld

Letztes Abendmahl in der Ruine

Der Richling-Code: Bei dem Satiriker Mathias Richling geht es um Politik und Pannen.

Bad Hersfeld. Mathias Richling, der Altmeister der politischen Satire, tritt am 4. Juni in der Bad Hersfelder Stiftsruine auf. In seinem Bühnenprogramm beschäftigt er sich mit großen Ps: Politik und Pannen.

Herr Richling, welche Themen werden garantiert mit Ihnen auf die Bühne der Stiftsruine kommen, also im „Richling-Code“ weiter leben?

Mathias Richling: Unser durchgehendes Themen-Motiv ist Deutschland – ein letztes Abendmahl. Das hat auch mein Regisseur Günter Verdin im von Da Vinci inspirierten Bühnenbild sichtbar gemacht. Ein thematischer Hauptstrang ist Deutschland im Missbrauch, und das wird in vielen Figuren von Westerwelle über Merkel und Schäuble bis Brüderle durchvariiert. Darüber hinaus, über ein feststehendes Grundkonzept, wird das Programm täglich aktualisiert.

Nach Helmut Kohl dachten wir ja alle, es gibt nichts mehr zu parodieren – aber es kam anders. Wer hat größtes Potential in Ihr Programm dauerhaft aufgenommen zu werden?

Richling: Mir sind alle recht. Auch wenn die ganz großen Charakterköpfe in der Politik rar werden, die kleinen Komischen wachsen zuhauf nach. Frau Merkel ist natürlich Stammgast bei mir, auch die Herren Brüderle und Kretschmann machen mir – und vor allem auch dem Publikum – viel Freude. Zur Zeit macht sich in „Der-Richling-Code“ auch Helmut Schmidt über das Thema Rauchen Gedanken, das ist eine Hommage an diesen rar gewordenen „Elder Statesman“.

Sie stammen aus dem Ländle, in dem man alles außer Hochdeutsch kann. Jetzt kann man da auch Grün-Rot und prompt soll das Volk entscheiden. Wie würden Sie entscheiden?

Richling: Ich werde mich immer für die Demokratie entscheiden. Die Baden-Württemberger haben per Votum mitgeteilt, dass sie in Zukunft mehr und direkt entscheiden wollen. So wie ich das sehe, hat der neue Ministerpräsident das begriffen und akzeptiert.

Sie wirken ja oft etwas aufgebracht. Sind Sie ein Wutbürger?

Richling: Ja, und nicht nur von Berufs wegen. Allerdings: bevor ich meine Wut artikuliere, denke ich ziemlich lange nach.

Was versetzt Sie in Rage?

Richling: Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit machen mich rasend. Sie werden es nicht glauben: Man kann sich auch einen gemütlicheren Beruf vorstellen als Kabarettist. Ich mag es aber gerne ungemütlich.

Freuen Sie sich auf Bad Hersfeld, und was ist für Sie anziehend an der Stadt mitten in Deutschland?

Richling: Die Festspiele in der Stiftsruine bieten ein unvergessliches Theatererlebnis, das ist Romantik pur. Der idyllische Weihnachtsmarkt ist ein weiterer Aspekt, Bad Hersfeld zu besuchen. Und sonst: Die über 200 denkmalgeschützten Gebäude in der Altstadt sind unbedingt sehenswert. Und die Festesfreude der Bad Hersfelder ist sowieso ansteckend! (red)

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