Deportation der letzten Juden – Gedenkveranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz

Die letzten Sieben

Erinnerung an ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte. Schülerinnen und Schüler der Konrad-Duden-Schule gedachten der Deportation der letzten sieben Juden. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. Landrat meldet am 30. Mai 1942 an Gestapo Kassel: „Hersfeld judenfrei“. „Hersfeld ist judenfrei“ lautete am gleichen Tag die Schlagzeile in der Hersfelder Zeitung.

Auf den Tag genau, 70 Jahre später, wurde in einer besonderen Gedenkveranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz an die Deportation der letzten sieben Hersfelder Juden gedacht.

Szenische Darstellungen

Das Medieninteresse war groß. Solche Veranstaltungen halten die Erinnerung an die Gräueltaten lebendig.

Schülerinnen und Schüler der Konrad-Duden-Schule erinnerten gemeinsam mit ihrer Lehrerin Angelika Keßler in einer szenischen Darstellung an das Schicksal von Minna Sara, Regina Sara und Simon Israel Goldschmidt, Feige Sara Leicht, Elfriede Sara, Emma Sara und Recha Sara Levi, die zuletzt in dem „Ghetto-Haus“ Bahnhofstraße 11 wohnten. Die sechs Frauen und der Schrotthändler Goldschmidt, „der kleine Piffekopp“, warteten schon frühmorgens auf den aus Hanau kommenden Zug, aber es sollte Abend werden, bis sie ihre letzte Reise antraten. Ihr letztes Hab und Gut hatten sie in Koffern verstaut, beschriftet mit Namen und Herkunftsort.

Solche Koffer haben die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe bei ihrem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz gesehen und benutzten ähnliche Gepäckstücke als aussagekräftige Requisite.

Damals wurden die letzten Hersfelder Juden unter den Augen der Bevölkerung und unter Bewachung zusammengetrieben. 70 Jahre später war das Interesse an der Gedenkveranstaltung, die unter Polizeischutz stattfand, seitens der Bevölkerung eher gering.

Bewegende Rede

In einer bewegenden Rede erinnerte Horst Selbiger, jüdischer Vorsitzender der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Bad Hersfeld“ an den „Kreuzzug gegen die Juden“ mit öffentlichen Diffamierungen, wirtschaftlichem Boykott, Verdrängung aus allen Positionen in Staat und Gesellschaft, Kenzeichnung durch den gelben Stern, Kennzeichnung der sogenannten Judenhäuser, Verhaftungen und Verhöre.

Das sind nur einige Beispiele der Drangsalierungen. „Pogrome, Berufsverbote, Zwangsarbeit und letztendlich die Deportation in den Tod waren die nächsten Kapitel“.

Videobericht

508 Juden wurden deportiert

Der Transport der letzten Hersfelder Juden ging zunächst nach Kassel. Am 1. Juni 1942 wurden schließlich 508 Juden aus dem Sammellager Kassel in die Vernichtungslager Majdanik und Sodibor deportiert.

Selbiger fand deutliche, kritische Worte zu der, seiner Meinung nach, zunehmend israel-feindlichen Stimmung in Deutschland, auch hervorgerufen durch das Gedicht von Günter Grass „Was gesagt werden muss“.

Er prangerte aber auch die deutsche Politik an, die den Rechtsextremismus viel zu lange unterschätzt habe.

Für die Toten sprach er das Kaddisch-Gebet.

Von gudrun Schmidl

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