Mitarbeiter der Firma Fehr kehren hinter dem Lolls-Umzug her – die meisten Zuschauer empfangen sie freundlich, aber nicht alle

Die Letzten räumen die Flaschen ab

Hat die Ruhe weg: Axel Erdmann steuert den Kehrwagen am Ende des Lolls-Umzugs. Das Steuer ist rechts. „Damit man die Kehrmaschinen am Bordstein besser im Blick hat“, erklärt er. Fotos: Künemund

Bad Hersfeld. Die erste Aufgabe: Pferdeäpfel von der Straße kehren. Weiter geht’s mit Betrunkenen, die die Tür seiner Kehrmaschine aufreißen oder Schnapsflaschen dagegenwerfen. Aber Axel Erdmann vom Entsorgungsunternehmen Fehr bewahrt Ruhe. Er ist mit seinen Kollegen Stefan Umhof und Ergün Güngörmez dafür zuständig, hinter dem Lolls-Umzug sauberzumachen. „Das Gröbste zumindest“, wie Erdmann sagt.

„Ab und an muss man mit sowas mal rechnen. Manche Menschen fühlen sich nach zwei Bier stark. Aber dieses Jahr ist alles im Rahmen“, so Erdmann. Vor ein paar Jahren hätten ihm Umzugs-Zuschauer sogar Bier in seinen Kehrwagen gekippt. „Ich muss aufpassen wie ein Schießhund. Wenn jemand die Tür aufmacht oder seine Schuhe in die Besen hält, lasse ich mal einen Schrei los und dann hat sich die Sache“, sagt Erdmann. So auch gestern. „Die Tür bleibt zu“ und „Füße weg“ rief Erdmann aus dem Fenster. Sonst aber fährt der Ur-Hersfelder die Tour hinter dem Umzug mit fast stoischer Ruhe. „Ich mache das schon seit 30 Jahren“, sagt er.

Vor der Kehrmaschine fegen Stefan Umhof und Ergün Güngömerz den Müll auf die Mitte der Straße. Sobald Axel Erdmann die Haufen mit seinem Wagen passiert, kehren elektronisch angetriebene Besen mit einer Spannweite von 2,20 Meter die vielen Flaschen und Verpackungen zusammen. Eine Walze zerkleinert sie. Ein Propeller am Unterboden wirbelt den Müll in den Container. „Wie ein Staubsauger quasi“, erklärt Axel Erdmann. Etwa 500 Kilogramm landen während des Festzugs in der „selbstfahrenden Arbeitsmaschine“. „Ein Lkw ist es nicht, obwohl es so aussieht“, sagt Erdmann.

Luftgitarre und Eishockey

Trotz der Zwischenfälle macht der Umzug der Kehrkolonne sichtlich Spaß. Stefan Umhof und Ergün Güngormez wirken zeitweise wie Animateure in einem Hotel auf Mallorca. Umhof spielt Luftgitarre auf seinem Besen oder funktioniert ihn zum Eishockey-Schläger um, indem er sich mit seinem Nebenmann die Bierbecher hin- und herschiebt. „Spaß muss sein“, sagt Fahrer Erdmann, „so lange wir unsere Arbeit machen.“ Und das tun sie gewissenhaft.

Da kommt es den Dreien ganz gelegen, dass sie von vielen Leuten am Rand mit Jubelrufen und Winken empfangen oder mit Waffeln beschenkt werden. „Die meisten sind freundlich und wir erleben mal was bei der Arbeit. Das ist schon immer schön“, sagt Erdmann. Er ist heute für jeden Spaß zu haben. Der Reitsportverein Untergeis, letzte Gruppe im Festzug, hat die Kehrmaschine mit Plakaten beklebt. „Jetzt haben die mir die ganze Bude zugepflastert. Aber was soll’s, es ist Lolls“, sagt Erdmann und lächelt.

Von Florian Künemund

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