Bewährungsstrafen für Diebstahl an Stromkabeln – Schadenshöhe unklar

Letzte Warnung für drei Täter

Bad Hersfeld. Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld hat drei junge Männer wegen gemeinschaftlichen Diebstahls verurteilt. Während ein 21-Jähriger nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten muss, wurden die Haftstrafen der beiden anderen Angeklagten zur Bewährung ausgesetzt. Ein 28-Jähriger erhielt acht Monate und muss 150 Arbeitsstunden leisten, ein 30-Jähriger erhielt 14 Monate und 200 Stunden.

Die drei Männer aus Hersfeld und Philippsthal hatten im August vergangenen Jahres mit einem gemieteten Transporter Kabel und Leitungen vom Geländer der Firma Elektro-Heise in Heringen gestohlen. Den Schaden bezifferte die Polizei auf 30 000 Euro. Die Verhandlung begann jedoch anders, als es Richter Dr. Rolf Schwarz geplant hatte. Keiner der drei Angeklagten wollte sich zur Sache äußern. Verwundert zeigte sich Richter Schwarz, da bereits alle drei Aussagen bei der Polizei gemacht hätten und auch das Beweisprotokoll eine „eindeutige Sprache“ spreche.

Lange Unterbrechung

Direkt nach der Aussageverweigerung der Angeklagten unterbrach der Vorsitzende die Verhandlung und zog sich gemeinsam mit Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken und den Anwälten zu einem Gespräch zurück. In der knapp 60-minütigen Unterbrechung wirkten die jungen Männer entspannt, machten flüsternd Scherze.

Als sie den Vorschlag über das Strafmaß hörten, bestätigten die Angeklagten ohne Einschränkungen den Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift verlesen wurde.

Schwierig gestaltete sich lediglich die Ermittlung der Schadenshöhe. Da der Inhaber der geschädigten Firma keine genauen Angaben zu den entwendeten Leitungen machen konnte. „Letztendlich fällt die exakte Höhe des Schaden aber nicht ins Gewicht, sondern die Vorstrafen“, erklärte Richter Schwarz in der Urteilsbegründung.

Während die beiden jüngeren Angeklagten jeweils ein eingestelltes Verfahren wegen Diebstahls in den Akten stehen haben, hat der 30-jährige Familienvater ein volles Vorstrafenregister. Von Beleidigung über Nötigung im Straßenverkehr und Geldfälschung bis hin zu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – erst am 6. Oktober wurde er zu einer Strafe von vier Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er sich einen gefälschten Ausweis beschaffen wollte. Die vier zur Bewährung ausgesetzten Monate wurden nun mit in die Strafe einbezogen.

Daher wurde das Verfahren für den dritten Angeklagten zum letzten Warnschuss. Wenn er sich wieder etwas zu schulden kommen ließe, käme er um eine Haftstrafe nicht mehr herum.

So folgten schließlich Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken und die Verteidiger dem zuvor präsentierten Vorschlag. Und auch Richter Schwarz blieb in seinem Urteil bei der zuvor in Aussicht gestellten Strafe.

Von Reemt Bernert

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