Festspiele: Bei der Gestaltung des Zuschauerpreises ist Handarbeit gefragt

Der letzte Feinschliff

Bad Hersfeld. Mit feinem Werkzeug, konzentriertem Blick und ruhigen Fingern geht Birgit Gress zu Werke. Die Goldschmiedemeisterin und Leiterin des Ateliers beim Juwelier Laufer legt letzte Hand an den Festspiel-Ring, den Zuschauerpreis der Bad Hersfelder Festspiele.

Die Idee für die Auszeichnung kam vor 20 Jahren von Volker Lechtenbrink. Der damalige Intendant führte den Zuschauerpreis 1995 ein, als weitere Ehrung neben dem Hersfeldpreis, der von einer Kritikerjury vergeben wird.

Mit drei Elementen

Ein Ring sollte es sein, mit den Bögen der Stiftsruine darauf, einer lachenden und einer weinenden Maske als Symbol für das Theater sowie der Schwurhand Karl des Großen, die für die klösterliche Vergangenheit der Spielstätte steht, denn die Klosterkirche stand einst unter dem Schutz Karl des Großen. Die Gestaltung übernahm der Hersfelder Juwelier Gunther Laufer-Klitsch.

Anfänglich wurde der Ring von Bürgern und Firmen gestiftet, inzwischen sponsert Juwelier Laufer das Schmuckstück selbst. „Der Ring soll von Frauen und Männern getragen werden können“, erklärt Matthias Laufer-Klitsch das Design.

Etwa 15,2 Gramm wiegt der Ring aus massivem Silber, an der breitesten Stelle, dem Ruinenbogen, misst er 12,5 mal 15 Millimeter.

Der Rohling wird stets in einer Spezialgießerei angefertigt, „schließlich soll der Ring jedes Jahr gleich aussehen“, so Laufer-Klitsch. Auch die Lasergravur im Innern inklusive Jahreszahl muss wegen der schrägen Form des Rings von einem externen Spezialisten vorgenommen werden.

Im Bad Hersfelder Atelier wird der Ring in Handarbeit nachgestochen, geschmirgelt, gesäubert, und abschließend mit Oxidbeize behandelt, wobei sich ein stechender Schwefelgeruch in der Werkstatt verbreitet, bevor er nochmal poliert wird. Das Silber färbt sich anthrazit bis schwarz. „So wirkt der Ring dreidimensionaler“, sagt Laufer-Klitsch. Um das glänzende Material matter erscheinen zu lassen, wird Bimsmehl als Schleifmittel eingesetzt.

„Die größte Arbeit war das Herstellen des Modells“, sagt Birgit Gress rückblickend. Etwa einen Tag dauert der Feinschliff im eigenen Atelier. Die Größe des Rings kann für den Preisträger individuell angepasst werden, und fast alle hätten dieses Angebot bisher auch angenommen.

Kurz ins Schwitzen kamen Matthias Laufer-Klitsch und sein Team, als bei den Festspielen 2009 wenige Tage vor der Verleihung des Zuschauerpreises plötzlich feststand, dass dieser wegen Stimmgleichheit gleich zweimal vergeben werden sollte. Für Birgit Gress bedeutete das eine Extraschicht am Samstag ...

Bisher ist der Preis seit der Einführung jedes Jahr verliehen worden. „Aber wir drängen uns nicht auf“, betont Matthias Laufer-Klitsch. Wer den Preis erhält, erfährt der Juwelier in der Regel erst bei der Verleihung. Einen heimlichen Favoriten für dieses Jahr hat er nicht

„Bisher waren die Entscheidungen immer nachvollziehbar“, sagt Laufer-Klitsch, und Birgit Gress nickt. Die beiden freuen sich, wenn die Preisträger positiv über ihr Schmuckstück sprechen oder es sogar tatsächlich tragen, wie Stephan Schad bei der Premierenfeier in diesem Jahr.

Immer wieder gebe es auch private Anfragen für den Ring, aber die muss der Juwelier ablehnen. Auch in Abwandlungen sei das Schmuckstück nicht zu haben, das schließlich etwas besonderes bleiben soll.

Von Nadine Maaz

Kommentare