Teilnehmerinnen an Integrationskurs beschweren sich über den Kursanbieter

Lernen mit Hindernissen

Bad Hersfeld. 17 Frauen, die aus zehn verschiedenen Ländern stammen, haben ein gemeinsames Ziel. Sie wollen Deutsch lernen, um sich in ihrer neuen Heimat besser verständigen und zurecht finden zu können. Dazu besuchen die Frauen einen Integrationskurs, der im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge von der GFU Berufliche Bildung und Beratung in Bad Hersfeld angeboten wird.

Inzwischen haben die 17 Frauen auch ein gemeinsames Problem. Ihre Kursleiterin, mit der sie sich bestens verstanden haben und von der sie sich gut unterrichtet fühlten, wurde entlassen. Und mit den neuen Kursleitern kommen sie nicht zurecht. „Wir verstehen nichts mehr“, klagt eine der Teilnehmerinnen. Und eine andere bedauert, dass sie nicht mehr angehalten würden, etwas in ihr Heft zu schreiben. „Schreiben ist eine gute Übung für uns“, sagt sie. Von vielen Raucherpausen, fehlenden Erklärungen und anschließenden Kontrollen der Hausaufgaben, Telefonaten während des Unterrichts und Unsicherheiten mit der deutschen Sprache bei einer Lehrkraft erzählen die Frauen ebenfalls. Nun haben sie sich an die Hersfelder Zeitung mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Ihr Wunsch: Sie wollen gerne ihrer Lehrerin wieder zurück. Und sie wollen ihrem Ärger Luft machen. Denn sie sind nicht nur mit ihren neuen Lehrkräften unzufrieden.

Auch die Kinderbetreuung während des Unterrichts missfällt den Teilnehmerinnen. Die Kinder würden nicht beschäftigt, sondern nur beaufsichtigt und weinten häufig, bemängelt eine Mutter. Und den Umgangston der Schulleitung mit den Schülerinnen empfinden sie als unfreundlich und mitunter sogar beleidigend.

Keine Begründung

„So kann man mit Erwachsenen nicht reden“, meint auch Brunhilde Nieding, die den Integrationskurs bis zu ihrer Kündigung im Juni betreut hat. Sie gibt seit 15 Jahren Sprachkurse für Migranten und fand gerade diese Gruppe mit den 17 Frauen aus zehn Ländern besonders ausgewogen und lernwillig. „Ich habe bis heute keine Begründung für die Kündigung“, sagt die Lehrerin, die arbeitsrechtlich gegen ihre Entlassung vorgehen möchte, weil sie sie als ungerecht empfindet. Eine dauerhafte Weiterbeschäftigung strebt Brunhilde Nieding nach eigenen Informationen gar nicht an. Sie ist 66 Jahre alt, dieser Kurs wäre ohnehin ihr letzter gewesen.

Die Leiterin der GFU in Bad Hersfeld, Hildegard Grollmisch, will sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. Sie verweist auf den Juristen des Unternehmens, das seinen Sitz in Schwalbach hat. Der jedoch ist mit den Details der Situation in Bad Hersfeld nicht vertraut, betont aber: „Wenn wir uns von Personal trennen, gibt es immer sachliche Gründe.“

In einem Schreiben an die Teilnehmerinnen des Integrationskurses versichert GFU-Geschäftsführer Harald Löw zudem, dass es aufgrund der langjährigen Erfahrungen von Frau Grollmisch in Personalauswahl und -einsatz keinerlei Zweifel an der Berechtigung der Personalentscheidung gebe und es deshalb bei dieser Entscheidung bleiben werde.

Von Christine Zacharias

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