Hans und Alexander Heenes über das Kernproblem des Schulalltags

Lernen durch Aufmerksamkeit

Die Autoren Hans und Alexander Heenes (v.l.) mit der druckfrischen Ausgabe von „Aufmerksamkeit im Unterricht“. Foto: Pistor

Bad Hersfeld. Welcher Schüler kennt diese Situation nicht: Da wird sich fest vorgenommen, für die nächste Klassenarbeit im Unterricht besonders aufzupassen, und dann kommen so viele Faktoren dazwischen. Der plaudernde Sitznachbar, der warme Raum, der Lehrer, der zu viel Vorwissen voraussetzt, eine langweilige Unterrichtsmethode. Oder einfach nur, dass man gerade keine Lust aufs Lernen hat.

40 Prozent unaufmerksam

Als 40 Prozent der Schüler bei einer Examensstudie Karolin Schedlers in 2005 angaben, dem Unterricht nicht aufmerksam folgen zu können, begann der Obersberglehrer und Pädagogischer Mitarbeiter der Universität Kassel, Hans Heenes aus Rotensee, sich der Thematik genauer zu widmen. „Ich sehe darin das Kernproblem des Unterrichts“, unterstreicht der Lehrer mit 29 Jahren Schulerfahrung, der unter anderem auch Biologie unterrichtet.

Die Ergebnisse seiner Forschung hat er nun in Zusammenarbeit mit seinem 17-jährigen Sohn, Alexander Heenes, in dem Heft „Aufmerksamkeit im Unterricht“ zusammengefasst, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Text- und Bildgestaltung hierfür übernahm der ehemalige Lehrer Wolfgang Lampe, der in der Schilde-Halle in 2010 seine Fotografien ausgestellt hat (wir berichteten).

Neben der biologischen Grundlage für Aufmerksamkeit werden in der Arbeit Einflussfaktoren dargestellt, Fakten aus dem Schulalltag geliefert und Probleme des Schüler-Lehrer-Verhältnisses angesprochen.

„Ein Hauptfaktor ist die Störung der Kommunikation“, findet Hans Heenes. „Wenn ein Schüler nicht mitarbeiten will, kann der Lehrer wenig ausrichten. Zunächst müssen Schüler es leisten, aufmerksam sein zu wollen.“ Doch was ist Aufmerksamkeit überhaupt? Generell beschreibt dieser Fachausdruck die Lenkung des Interesses auf etwas in der Umwelt, das als wichtig empfunden wird. Das heißt: Wenn der Schüler den Lernstoff für uninteressant hält, wird er wohl kaum zuhören.

Daher ist es unter anderem wichtig, den Schülern die Bedeutsamkeit von Lerninhalten zu erklären und für notwendiges Vorwissen zu sorgen, an das dann leichter angeknüpft werden kann. Die Arbeit weist auf Potenziale hin, Aufmerksamkeit im Unterricht zu fördern, Geschlechterunterschiede zu berücksichtigen.

Mädchen empfindlicher

Beispielsweise ergibt sich aus einer Schülerbefragung, dass Mädchen empfindlicher auf Störungen im Unterricht reagieren als Jungen. „Da schließt sich die heikle Frage an, wann der Lehrer bei Störungen eingreifen soll“, sagt Hans Heenes, und Alexander fügt hinzu, dass dies von Lehrkraft zu Lehrkraft verschieden sei.

Der 17-Jährige war für die Auswertung der Ergebnisse zuständig. „Ich habe auch viel für mich dabei gelernt“, sagt er. „Die Erkenntnisse aus der Studie kann ich im Unterricht gut gebrauchen.“

Hans Heenes ergänzt, dass Erfolg ein Prozess sei, der sich nicht so schnell einstelle wie in TV-Soaps: Geduld müsse man haben.

† Wer sich für die Arbeit interessiert, kann „Aufmerksamkeit im Unterricht“ in der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld für 4,90 Euro erwerben.

Von Christina Pistor

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