Eckhard Kirschstein hat sein Autohaus nach 45 Jahren an seinen Neffen übergeben

Leidenschaftlicher Tüftler

Rollenwechsel mit 67: Eckhard Kirschstein war als Geschäftsmann, aber auch als Sportler erfolgreich. Jetzt will er sich vor allem um seinen Garten kümmern. Foto: Apel

Bad Hersfeld. „Durch und durch Automensch“ – so könnte man den 67-jährigen Eckhard Kirschstein, der nach 45-jähriger erfolgreicher geschäftlicher Tätigkeit die Schlüssel seines Autohauses an seinen Neffen Christian Möller weitergegeben hat, beschreiben. Verrückt nach Autos, mit ganzer Leidenschaft Mechaniker, Tüftler und immer wieder Neuerer – aber auch Mensch, der für seine Familie und seine Mitarbeiter da ist. Einer, der immer viel verlangt hat, der aber auch gegeben hat, und der sich auch auf sportlicher Ebene stark engagiert hat.

All das war ihm nicht in die Wiege gelegt, als es seine Familie nach dem 2. Weltkrieg auf der Flucht von Westpreußen nach Bremerhaven verschlug. 1950, im Alter von sechs Jahren, bekam er sein erstes Fahrrad, und schon damals wusste er, dass er Kfz-Mechaniker werden wollte.

Sein Vater war Eisenbahner und hatte nur wenig Zeit für ihn. Deshalb probierte Eckhard vieles einfach aus. Natürlich kannte er alle Autos, und mit 16 hatte er nicht nur sein erstes Moped, sondern zwei. Mit seiner Kreidler machte er erste Geschäfte: Für fünf Mark am Tag verlieh er sie an gute Bekannte.

Mit 16 Auto zerlegt

Ein Auto hatte er sich auch schon mit 16 zugelegt – und zerlegt. „Andere sind in der Gegend herumgefahren. Ich habe in der Garage unter dem Auto gelegen“, erinnert er sich.

Mit 17 hatte er seinen Gesellenbrief und mit 19 ging’s ab auf Montage. Nachdem er mit einem Kollegen in Wippershain im „Gasthaus zur Krone“ übernachtet hatte und die Uroma der Tochter des Hauses berichtet hatte: „Da sind zwei tolle Monteure gekommen“, geschah, was geschehen musste: Eckhard verliebte sich in Marga, 1964 heirateten beide und fortan wohnten sie in Wippershain.

1966 zeichnete sich für Eckhard eine Karriere als Steiger ab, aber zusammen mit seiner Frau entschloss er sich, sein Glück in der Selbstständigkeit zu suchen.

Im Vogelgesang in Bad Hersfeld übernahmen sie eine Tankstelle, und auch hier war es vor allem das handwerkliche Geschick des Kfz-Mechanikers, das die Eheleute voranbrachte.

Judo-Abteilung gegründet

Zu dieser Zeit war Kirschstein auch ein bekannter Sportler und schließlich die treibende Kraft bei der Gründung der Judo-Abteilung des TV Hersfeld. Als mehrfacher Bremer Landesmeister hatte er zunächst bei den Ringern „reingeschnuppert“. Als Judo-Abteilungsleiter sorgte er dann dafür, dass die TVH-Judoka bis in die 2. Bundesliga aufstiegen. Bis 1986 war er aktiv.

1970 begann Kirschstein mit dem Verkauf von Autos. Waren es zunächst vor allem die „Minis“ von British Leyland, die auf großes Interesse stießen, kamen schon ein Jahr später die Modelle von Alfa Romeo dazu. Schon bald platzte die Tankstelle mit Garagen-Werkstatt und Autoverkauf aus allen Nähten. Deshalb griff er beherzt zu, als sich ihm die Möglichkeit bot, ein leerstehendes Gebäude auf dem heutigen Firmengelände in der Konrad-Zuse-Straße anzupachten und später zu kaufen. Nach und nach etablierte er hier sein Autohaus und ab 1979 den japanischen Autobauer Mazda. Seit 2004 ist er Mitsubishi-Händler.

Rückblickend sagt er: „Ich habe immer das Richtige gemacht, und natürlich auch Glück gehabt!“ Und sein Neffe und Nachfolger Christian Möller, bei dem Kirschstein das Autohaus in kompetenten Händen weiß, betont: „Er ist immer ein Perfektionist gewesen. Wenn er etwas angefangen hat, dann hat es Hand und Fuß gehabt.“

Von daher verwundert es nicht, dass Kirschstein auch als Rennfahrer aktiv war und mit seinen Alfasuds beachtliche Erfolge verzeichnen konnte.

Er hat aber auch eingesehen, dass man ohne Training nicht Weltmeister werden kann. Jungen Leuten rät er, sich Ziele zu setzen und mit Mut, Leidenschaft und Gottvertrauen vorwärts zu gehen.

„In der Ruhe liegt die Kraft“, ist sich der 67-Jährige sicher. Und deshalb widmet er sich jetzt mit Hingabe seinem großen Garten und dem Golfspielen. Da hat er es als Linkshänder 1994 immerhin schon zum Amateur-Weltmeister gebracht.

Von Wilfried Apel

Kommentare