Mit Leidenschaft zum Ziel

Kai A. Struthoff

Nein, die neue 1. Kreisbeigeordnete Elke Künholz ist nicht zu beneiden. Kaum im Amt, findet sie einen riesigen Schuldenberg vor. Die Kosten für die Kinder- und Jugendhilfe explodieren. Es geht dabei um ein sehr sensibles und wichtiges Thema, das nicht für parteipolitisches Gezänk herhalten darf. Es kann nicht sein, dass ein Kind Not oder Gewalt erleiden muss, nur weil die zuständigen Ämter nicht ausreichend ausgestattet sind, um rechtzeitig einzugreifen.

Und doch muss die Frage erlaubt sein, ob Künholz’ Amtsvorgängerin Christa Bittner die auf sie zurollende Kostenlawine blauäugig ignoriert hat – eigentlich kaum vorstellbar. Fraglich ist aber auch, ob das Parlament seiner Kontrollfunktion wirklich gerecht wurde oder womöglich auf den „großen Knall“ gehofft hat. Beim Thema Kontrolle oder „controlling“ scheint im Sozialbereich des Kreises jedenfalls einiges im Argen zu liegen. Nein, Elke Künholz ist nicht zu beneiden!

Da geht es ihr aber nicht anders als dem neuen Chef der Kreis-CDU Thorsten Bloß. In Berlin steht die Partei am Pranger, und im Kreis machte sie auch nicht immer eine gute Figur. Immerhin wurde bei der Wahl von Bloß demonstrativ Einigkeit gezeigt. Vielen der jungen, besonnenen und kreativen Köpfen der neuen Generation in der Partei geht das Gewurstele der Altvorderen schon lange gegen den Strich. Thorsten Bloß steht für einen Neuanfang, den der Kreisverband nach langen, zermürbenden Grabenkämpfe dringend braucht. Gut für Bloß, dass ihm dafür die notwendigen Parteistrukturen wie die Geschäftsstelle erhalten bleiben. Das nötige Gottvertrauen bringt Bloß selber mit!

Leidenschaft macht Unmögliches möglich.“ Das hat Handballbundestrainer Heiner Brand am Freitag beim Sparkassenforum in Rotenburg gesagt. Es war ein mitreißender Vortrag über Motivation und Leistung, von dem nicht nur Sportler lernen konnten. Er knüpfte nahtlos an die ebenso denkwürdige Rede von Sparkassen-Vorstandschef Manfred Wagner an, der harsche Kritik an den „Sonnenkönigen“ der Bankenbranche übte, deren Elitenauswahl lange Zeit nur die Skrupellosen nach oben kommen ließ. Skrupellosigkeit als Erfolgsrezept? Nein, dann lieber Motivation aus Leidenschaft – das können Politiker, Banker, Journalisten, ja, wir alle vom Sport lernen: So kommen wir besser ans Ziel!

struthoff@hersfelder-zeitung.de

Kommentare