Darsteller der „Sommergäste“ empfinden Zusammenarbeit als Glücksfall

Leichtigkeit lernen

Lars Weström, Johannes Terne, Emanuela von Frankenberg und Stefan Reck (von links) kennen sich schon seit Jahren aus verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen. In Bad Hersfeld proben die Schauspieler gemeinsam für das Gorki-Stück Die Sommergäste. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Sie sind als Sommergäste nach Bad Hersfeld gekommen. Und daran halten sie fest, auch wenn’s regnet und die Temperaturen sich verdächtig dem Nullpunkt annähern. „Wir sind völlig verrückt“, gesteht Emanuela von Frankenberg ganz offen. „Da springt eine Horde erwachsener Menschen bei diesen Temperaturen im Regen in Badeanzügen durch die Stiftsruine.“

Après Ski in der Kantine

Lachend pflichten ihr ihre Kollegen Lars Weström, Johannes Terne und Stefan Reck bei. „Das hat ein bisschen was von einer Skireise“, meint Lars Weström. Zum Aufwärmen trifft man sich dann nach der Probe in der Kantine.“

Doch die Unbilden des Wetters nehmen die vier Schauspieler, die alle aus verschiedenen Fernsehproduktionen, unter anderem den Serien „Um Himmels Willen“ oder „Liebling Kreuzberg“ bekannt sind, mit Humor. Was zählt, ist die Freude an der gemeinsamen Arbeit. „Wir sind ein tolles Ensemble“, schwärmt Emanuela von Frankenberg. „Das ist ein absoluter Glücksfall.“

Begeistert ist sie auch von dem Stück. „Jede Figur hat Tiefe“, sagt Emanuela von Frankenberg. „Ich interessiere mich sehr für diese Menschen.“ Und damit meint sie sowohl die Charaktere im Stück als auch die Personen, die sie verkörpern.

„Wir haben das Stück sehr aktualisiert“, erläutert Lars Weström. „Da wird sich jeder wiederfinden“, ist er überzeugt. Das Grundthema der Sommergäste, die Auflösung einer Gesellschaft, findet sich auch in der Bad Hersfelder Bühnenfassung. „Jeder hat große Pläne zur Veränderung und Verbesserung, aber dann stellt sich doch die Frage, war tatsächlich etwas macht oder wer die Augen vor den Veränderungen verschließt“, sagt Stefan Reck.

In dem 16-köpfigen Ensemble lösen Fragen wie „Hat die Kunst eine Chance etwas auszurichten?“ oder „Hat man ein Recht auf ein Privatleben, das die Probleme der Gesellschaft außen vor lässt?“ immer wieder lebhafte Diskussionen aus, erzählt Johannes Terne. Gemeinsam mit seinen Kollegen hofft er, auch das Publikum so ansprechen und zum Diskutieren bringen zu können. „In dem Stück gibt es eine Nähe von Tragik und Komik, die ich sonst noch nie so erlebt habe“, schwärmt Terne.

Sehr viel Poesie

Als bereichernd finden alle drei Darsteller die Arbeit mit dem französischen Regisseur Jean-Claude Berutti. „Uns Deutschen fehlt manchmal die Leichtigkeit des Seins“, hat Emanuela von Frankenberg festgestellt. „Die lernen wir gerade bei der Arbeit mit Berutti.“ Wenn sie jedoch in Versuchung geraten, sentimental zu werden und sich in kleinen Idyllen einzurichten, dann werden sie von der Regie zurückgeholt. „Da ist aber auch sehr viel Poesie. Das ist teilweise sehr märchenhaft“, verspricht Terne.

Gemeinsames Kind

Wie genau ihr Stück am Ende werden wird, das wissen die Darsteller selbst noch nicht genau. „Das hat einen besonderen Zauber. Das ist, als ob ein Kind geboren wird und wir bringen es gemeinsam auf die Welt“, erklärt Emanuela von Frankenberg.

Für die Zuschauer gibt es jedenfalls ganz viel zu sehen und zu erleben. „Wir sind fast immer alle auf der Bühne“, erläutert Reck. „Da passiert ganz viel gleichzeitig. Der Zuschauer kann immer mehrere Paare beobachten.“

Noch bis zum Dienstag proben die Sommergäste im kalten Bad Hersfeld. Dann haben sie vier Wochen Probenpause. Und wenn sie dann wiederkommen, sind sie, so hofft Lars Weström, tatsächlich Sommergäste. Premiere ist am 19. Juni.

Von Christine Zacharias

Kommentare