Handwerk kämpft gegen den Nachwuchsmangel – Neues Ausbildungsnavi im Aufbau

Lehrstellen schwinden

Die Grüße der Handwerkskammer Kassel überbrachte deren Präsident Heinrich Gringel (vorne links). Unter den zahlreichen Gästen hatte auch erstmals Thomas Fehling als neugewählter Bürgermeister der Stadt Bad Hersfeld Platz genommen (rechts). Neben Fehling sitzt Ehren-Kreis-Handwerksmeister Karl Otto aus Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Das Handwerk im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat 2010 mehr Lehrverträge abgeschlossen als 2008. Dennoch sei abzusehen, dass die Zahl der jungen Leute, die das Handwerk als Berufsnachwuchs heranbildet, abnehmen wird. Diese Perspektive entwickelte Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker beim Neujahrsempfang. Der Bevölkerungsschwund und der Mangel an jungen Leuten bereitet dem Handwerk derartige Sorgen, dass eine auf vier Jahren ausgelegte Image-Kampagne gestartet wurde. Die Lücke bei den Fachkräften versucht das Handwerk schon seit Jahren zu schließen. Hilfe dabei sagte Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt zu.

Initiative umgehend

Nach dem Beispiel des Nachbarlandes Thüringen möchte er ein „Ausbildungsnavi“ aufbauen. Dabei will die Wirtschaftsförderung des Landkreises als Schaltstelle möglichst viele Partner im heimischen Wirtschaftsraum an einen Tisch bringen.

Die Kreishandwerkerschaft selbst fährt bereits Programme, um Jugendliche soweit zu bringen, dass sie eine Ausbildung antreten können. Tage der offenen Tür in den handwerklichen Bildungseinrichtungen und Präsentationen bei der Berufsorientierung von Schulabgängern sollen dabei helfen, dass sich Schülerinnen und Schüler frühzeitig für den Eintritt in eine Lehre entscheiden, statt „schulische Dauerschleifen“ zu drehen, wie es Klaus Stöcker formulierte. „Den jungen Leuten sollte klar sein, dass nicht die Dauer des Schulbesuchs, sondern die Qualität der Ausbildung wichtig für ihren Lebensweg ist“, sagte Stöcker. Es sei niemandem gedient, wenn in den Schulen die Leistungsanforderungen stetig abgesenkt und im „unteren Kompetenzbereich“ Differenzierungen vorgetäuscht würden, die nicht vorhanden seien. Kenntnisse an Handy und Computer, auch wenn diese noch so groß seien, könnten nicht davon ablenken, dass man für eine gute Ausbildung lesen und schreiben können muss.

Darauf, dass in den nächsten fünf Jahren 2 500 Handwerksbetriebe im Bereich der Kammer Kassel Nachfolger an der Firmenspitze suchen, wies Präsident Heinrich Gringel hin.

Von Kurt Hornickel

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