„Ich will, aber...“: Obersberg beim Wilhelm-Meister-Projekt des Goethe-Hauses

Lehrjahre an der MSO

Glückliche Gesichter: Isabell Schmidt, Dominic Fey, Viktoria Görzen, Corinna Willhardt, Kathrin Lauer (v.li.) und Carolin Horber (am Klavier) mit Deutschlehrerin Ulrike Nitzsche (re.) nach der Aufführung. Foto: nh

Bad Hersfeld. In seinem Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ legt Goethe seiner Hauptfigur die Worte „Mich selbst, ganz wie ich da bin, auszubilden, das war dunkel von Jugend auf mein Wunsch und meine Absicht“ in den Mund. Damit spricht er ein immer aktuelles Thema an: Das Problem der Identitätsfindung.

Das Wilhelm-Meister-Projekt des Goethe-Hauses Frankfurt greift diese Thematik mit dem Satz „Ich will, aber...“ auf, weist auf die Widerstände hin, mit denen Jugendliche auf ihrem Weg zur Persönlichkeitsentwicklung konfrontiert werden und regt zur kreativen Auseinandersetzung mit Goethes Text an.

Da die Deutschlehrpläne der gymnasialen Oberstufe sich mit der Spannung zwischen Traum und Wirklichkeit im Leben eines Menschen befassen, habe es sich für die elfte Klasse der Modellschule Obersberg aus Bad Hersfeld angeboten, bei dem Projekt mitzuwirken, erklärt Deutschlehrerin Ulrike Nitzsche.

Kreative Abiturvorbereitung

Aus mehreren Bewerbern wurde die MSO neben drei weiteren Schulen von der Projektjury ausgewählt und begab sich sogleich interessiert an die Arbeit: „Es ist eine lebhafte Gruppe, die sich ganz auf das Projekt eingelassen hat. Ich habe Glück, mit solchen Schülern und Schülerinnen zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt Nitzsche. „Das Projekt ist nicht nur in den Lehrplan eingebettet, sondern auch eine Vorbereitung auf das schriftliche Abitur“, erklärt die Lehrerin weiter. „Die gestaltende Interpretation von Texten ist einer der Aufgabenbereiche.“

Das Goethe-Haus hat der Schulklasse zum leichteren Einstieg die Möglichkeit geboten, mit Autor Paul Pfeffer und dem Theaterpädagogen und Schauspieler Thomas Hupfer zusammenzuarbeiten. Die Experten gaben Hilfen zum kreativen Schreiben und zur szenischen Darstellung von Auszügen aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre“.

Die Schüler verfassten viele eigene Texte zu Wilhelm Meisters Lebensweg, wie etwa „Das missglückte Theaterspiel“, zeichneten Comics, schrieben Gedichte und komponierten ein Lied mit Klavierbegleitung von Schülerin Carolin Horber.

Die Generalproben fanden dann kurz vor einer abschließenden Aufführung in Frankfurt statt. „Für uns ist das mit ziemlich viel Aufwand verbunden“, sagt Nitzsche, denn die Modellschule ist von allen Teilnehmern am weitesten vom Goethe-Haus entfernt. „Aber es hat alles sehr gut geklappt und für die Schüler ist es ein besonderes Erlebnis, das ist es auf jeden Fall wert.“

Das findet die Klasse ebenfalls. Victoria Görzen, die ein selbstgeschriebenes Gedicht vorgetragen hat, freut sich über die kreative Arbeit im Deutschunterricht. „Also, normalerweise zeichnet man da keine Comics“, lacht sie, und Kathrin Lauer fügt hinzu: „Es ist eine große Chance, eigene Arbeiten vorführen zu dürfen.“

Ein voller Erfolg

Die Präsentation der Schülerergebnisse fand im Arkadensaal des Goethe-Hauses statt. Insgesamt waren 89 Personen beteiligt, und Regisseur Hupfer stellte aus allen Werken ein Ensemble aus darstellendem Spiel, Gedichtvorträgen und Gesang zusammen. Nervös war die Klasse der MSO zunächst kaum. „Erst wenn man auf der Bühne steht und das Mikro in der Hand hält, geht es los“, grinst Victoria Görzen. Beeindruckend fand die Klasse, dass sie so schnell mit den Schülern der anderen Teilnehmerklassen zurecht kam, hatte sich das Ensemble doch nur wenige Male zu Proben getroffen.

„Die Vorstellung hat sehr gut geklappt, alle Teilnehmer waren hochkonzentriert“, freut sich die elfte Klasse der Modellschule und auch Schulleiter Karl Weber lobte die gute Leistung der Schüler.

Von Christina Pistor

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