Tobias Busch entwickelte das Konzept für einen audiovisuellen Touristenführer

DDR lebt im I-Pod weiter

Die Karge Mauer ím Hinterhof erinnert an einen Grenzposten: Tobias Busch zeigt, wie er mit einem I-Phone die Informationen zu einem bestimmten Punkt abrufen könnte. Foto: Backovic

Bad Hersfeld. Stacheldraht, Splittergranaten und die Stasi zaubert Tobias Busch aus Bad Hersfeld in die Hand des Betrachters. Busch ist aber kein Magier, sondern Diplom-Designer. Mit seiner Diplomarbeit „Grenzgänger“ zieht er aber trotzdem eine kleine Innovation aus dem Zylinder: Er hat einen einzigartigen Touristenführer entwickelt. Dieser ermöglicht den Besuchern des Grenzlehrpfades Point Alpha mittels I-Pod oder eines anderen mobilen Endgeräts ein Stück der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu erkunden. Und zu erleben.

„Es geht um eine andere Ebene der Wahrnehmung, denn der Tourist guckt keine Geschichtsdoku im Fernsehen, sondern befindet sich live am Ort des Geschehens“, sagt Busch. Die Idee, die hinter dem bislang fiktiven Projekt steht, ist schnell erklärt: Der Tourist fährt nach Wenigentaft im Kreis Bad Salzungen zum Point Alpha. Dort packt er den I-Pod aus und läuft einen Rundweg ab, der aus 13 Stationen besteht. Das Besondere daran ist, dass der Tourist zu jeder Station eine Videoepisode auf dem mobilen Endgerät abspielt.

Die ein- bis sechsminütigen Aufnahmen bieten Informationen zur Geschichte der jeweiligen Stelle. Die DDR wird vor den Augen des modernen Grenzgängers lebendig – denn Kfz-Gräben, tragische Schicksale und Grenzposten sind zum Greifen nah. „Die Distanz, die der Zuschauer sonst beim Fernsehen hat, ist weg“, versichert Busch. Wer auf den Play-Knopf des I-Pods drückt, sieht beispielsweise Stücke aus Nachkriegsdokumentationen in Schwarz-Weiß. Die Szenen sind mit Musik untermalt. Eine tiefe Männerstimme moderiert die Videos.

Eine Wanderkarte benötigen Buschs Grenzgänger, die den fünf Kilometer langen Weg von Wenigentaft bis zur Bundesstraße 84 zurücklegen, nicht. Eine dreidimensionale Karte auf dem I-Pod zeigt und erklärt den Weg bis zum nächsten Anlaufpunkt. „Zwischen den Stationen hat der Nutzer dann die Zeit, sich mit anderen über das Erlebte zu unterhalten“, sagt der 31-jährige Mitinhaber der Hersfelder Werbeagentur Ekwdesign.

Für Buschs Arbeit, die er an der Uni Mainz geschrieben hat, gab ihm der Professor eine glatte Eins. Buschs Traum ist es, seinen Touristenführer umzusetzten. Allerdings gibt es einen Haken: Für die kommerzielle Nutzung bräuchte der gebürtige Bad Hersfleder Geld, um das Filmmaterial der Sequenzen, das an Urheberrechte geknüpft ist, zu bezahlen. Deshalb ist er auf der Suche nach Sponsoren.

Info: Wer Busch bei der Umsetzung seiner Idee unterstützen möchte, erreicht ihn in der Werbeagentur Ekwdesign in der Dudenstraße 16, Bad Hersfeld, unter 06621/91644 und per Mail unter busch@ekwdesign.de

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Von Dorothea Backovic

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