„Sturmianer“ waren bei ihrem Segeltörn in der Ostsee im richtigen Moment vor Ort

Lebensrettung auf See

Die „Sturmianer“ gratulieren ihrer Heimatzeitung ganz herzlich zum 250. Geburtstag. Leider ist das Titelblatt der Zeitung bei einem improvisierten Fototermin an Deck über Bord gegangen. Foto:  nh

Bad Hersfeld. Nach mehrjähriger Segelflaute sind die „Sturmianer“, wie sich der Freundeskreis der Hochseesegler seit 1986 selbst bezeichnet, zu einem einwöchigen Segeltörn durch einen Teil der Inselwelt Dänemarks aufgebrochen. Dort waren sie zur rechten Zeit am rechten Ort und retteten ein Ehepaar aus den Fluten.

Die aus zehn Mann bestehende Crew hatte den Großsegler Safier unter Leitung eines Schweizer Skippers gechartert. Die Verantwortung für die Navigation lag bei Crew-Mitglied Wolfgang Dahl, seinerseits „Kapitän auf großer Fahrt“.

Die erste Segelroute führte von Aarhus nach Ballen. Bei sonnigem Wetter und schwankenden Windstärken zwischen 6 und 7 aus West/Südwest lag die Safier mit ihrer 250 Quadratmeter umfassenden Takelage optimal im Wasser, berichtet Wolfgang Walk. Weitere Stationen waren Kerteminde auf der Insel Fünen und, nach Durchsegeln des Großen Belts bei aufkommendem Sturm und hohem Wellengang, das Hafenörtchen Lundeborg auf Fünen.

Beim Einlaufen der Safier im Hafenstädtchen Marstal auf der Insel Aerö wurde das Schiff mit Crew von der örtlichen Touristinformation für die Erstellung einer Touristbroschüre fotografiert.

Vor dem Auslaufen am nächsten Tag beeindruckte das besichtigte Schifffahrtsmuseum in Marstal die Beteiligten. An Exponaten verfügt das Museum unter anderem über 250 Modellschiffe.

Der Tag sollte den Sturmianer aber darüber hinaus wegen eines dramatischen Ereignisses auf hoher See noch in guter Erinnerung bleiben. Bei wiederum bestem Wetter und tollen Windverhältnissen steuerten die Segler Kurs Richtung Bagenkop südwestlich der Insel Aerö, als Rudergänger Manfred Rother glaubte, Hilferufe auf offener See wahrgenommen zu haben. Der Skipper im Ruderhaus entdeckte mit seinem Fernglas in einer Entfernung von etwa 500 Metern zwei Personen in der See. Sofort wurden alle Segel gerefft. Mit Motorkraft schipperte die Safier in Richtung der im Wasser treibenden Menschen.

Das nicht mit Rettungswesten gesicherte deutsche Ehepaar ist – wie die Sturmianer später erfuhren – durch den Riss einer Relingleine ihrer Einmast-Segelyacht über Bord gefallen. Die gesamte Crew war nun im Einsatz und konnte die fast völlig Entkräfteten über eine Außenleiter an Bord der Safier ziehen. Nach Versorgung der havarierten Segler mit Tee und warmer Kleidung enterten die Helfer noch das mit vollen Segeln abgetriebene Boot, das durch Fender abgesichert, an der Steuerbordseite vertaut und in Schlepp genommen wurde.

Das Ehepaar – Kathrin und Axel aus Lübeck – hätte aufgrund der vollgesogenen Kleidung und der Segelstiefel nur noch eine Überlebenschance von maximal zehn Minuten gehabt.

Das letzte Etappenziel, Kappeln an der Schlei, wurde wiederum bei bestem Segelwetter angesteuert. Nach einem zünftigen Essen in der Traditionskneipe „Bierakademie“ klang eine mit Höhepunkten gespickte Segelwoche aus. (red/zac)

Kommentare