Bad Hersfelder Festspiele: Tagebuch der Anne Frank läuft wieder

Lebendige Hoffnung

Ihr Tagebuch wird der jungen Anne Frank, wunderbar gespielt von Maddalena Noemi Hirschal, zur Freundin und Vertrauten. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Ihre Hoffnung ist ansteckend. Wenn das Mädchen Anne Frank, gespielt von Maddalena Noemi Hirschal, begeistert vom D-Day erzählt, von der Invasion der Alliierten in der Normandie, die das Ende der Nazi-Herrschaft einläutete, dann freuen sich alle mit ihr und hoffen auf das Ende des geheimen Lebens im Versteck. Und auch das Glück über den ersten Kuss teilt das Publikum gerne. Dabei weiß jeder, dass Anne Frank den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt hat. Dass sie kurz nach diesen Einträgen in ihr Tagebuch mit ihrer Familie und den anderen Untergetauchten festgenommen und ins KZ transportiert wurde, wo bis auf ihren Vater alle starben.

Am Donnerstag, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele, wurde die umjubelte Inszenierung des Tagebuchs der Anne Frank in der Martinskirche wiederaufgenommen. Der Termin war bewusst gewählt, denn Anne Frank wäre an diesem Tag 85 Jahre alt geworden, erläuterte Regisseur Holk Freytag zu Beginn der Aufführung.

Auch in diesem Jahr fasziniert Maddalena Noemi Hirschal in der Titelrolle. Mit ihrer enormen Bühnenpräsenz trägt sie das Einpersonenstück, verkörpert das Mädchen Anne Frank mit seinen Wünschen und Hoffnungen auf ein freies, selbstbestimmtes Leben, mit seinem Ärger über das Unverständnis der Erwachsenen, mit seiner Einsamkeit und der ersten Liebe wirklich überzeugend. Souverän meistert sie auch eine Unterbrechung, die durch einen medizinischen Notfall im Publikum notwendig wird.

Unmittelbare Nähe

Auch der Spielort Martinskirche, ein modernes Gotteshaus komplett aus Beton mit bunten Glasfenstern, und das Bühnenbild, das aus einem mehrstöckigen Metallgestell und Stühlen besteht und die drangvolle Enge im Hinterhaus-Versteck symbolisiert, verfehlen im zweiten Jahr nicht ihre Wirkung. Die unmittelbare Nähe zwischen Darstellerin und Publikum erweckt den Eindruck, direkt beteiligt zu sein.

Langes, betroffenes Schweigen nach den letzten Worten, bevor schließlich lebhafter Applaus losbricht von einem Publikum, das sich anerkennend geschlossen von den Stühlen erhebt und damit nicht nur der großartigen schauspielerischen Leistung Hirschals, sondern auch der Person Anne Frank Respekt zollt.

Dank einer Umgestaltung des Sitzplanes gibt es für alle Vorstellungen noch Karten.

Von Christine Zacharias

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