HZ-Portrait: Tatiana Bauer ist Chorleiterin und Dirigentin mit Herz und Seele

Ein Leben voller Musik

Tatiana Bauer zusammen mit einigen der Kinder des Kinderchores des Johann-Sebastian-Bach-Hauses. Foto : Hettenhausen

Bad Hersfeld. Es ist Donnerstag, 17 Uhr. Im Johann-Sebastian-Bach-Haus in der Nachtigallenstraße sitzen etwa 30 Kinder ungeduldig auf ihren Plätzen. Gleich beginnt ihre Chorprobe für das Weihnachtsspiel. Seit Wochen üben sie schon dafür. Jetzt steht der Auftritt nahe bevor. Am morgigen Samstag um 15 Uhr singen und musizieren die Kinder in der St. Lullus-Sturmius-Kirche.

Als Tatiana Bauer ihre Arme erhebt, herrscht sofort Stille im Raum. Obwohl nicht mehr viel Zeit zum Üben bleibt, wirkt die Chorleiterin nicht angespannt. Mit ruhiger, warmer Stimme spricht sie die Kinder an und fordert sie erst einmal zu kleinen Lockerungsübungen für Körper und Stimme auf. Tatiana Bauer ist seit drei Jahren die Leiterin des Kinderchores im Bach-Haus und hat seitdem das Weihnachtsspiel mit erarbeitet. Was mittlerweile schon Routine für sie ist, macht ihr sichtlich noch immer großen Spaß. „Ihr müsst das Fenster eures Körpers, den Mund, weit aufmachen, damit die Töne auch rauskommen können“, sagt sie den Fünf- bis 15-jährigen.

Unterricht an Musikschule

Als Musikpädagogin mit Diplom hat die 36-Jährige „das richtige Händchen“ für den Umgang mit Kindern. Aber auch Erwachsene profitieren von ihrem Wissen und Können. Seit vier Jahren leitet Bauer den Frauenchor Friedewald und seit drei Jahren unterrichtet sie in der Musikschule des Kreises.

Als sie vor sechs Jahren mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen aus Russland nach Bad Hersfeld kam, war es ihr erst einmal wichtig, die deutsche Sprache zu lernen. Das ist ihr sehr schnell und sehr gut gelungen. „Was ich mache, möchte ich immer perfekt machen“, sagt sie. Sie arbeite nach dem Prinzip „von Anfang an Regeln aufzustellen, damit es am Ende leichter wird“. Sich für jeden Tag einen Plan machen, hält sie für wichtig.

Dirigieren gelernt

Zunächst sang Bauer im Chor des Buchcafés mit. Als dort der Dirigent ausfiel, vertrat sie ihn, denn auch das Dirigieren hatte sie während ihres Musikstudiums in Russland gelernt.

„Meine lieben Choristen haben dann so viel Werbung gemacht, dass ich immer mehr Angebote bekam“, sagt sie heute dankbar. Neben ihren Jobs gibt sie auch privaten Klavierunterricht. In höchsten Tönen schwärmt Bauer allerdings von den alljährlichen Opernaufführungen in der Stiftsruine, bei denen einige „ihrer“ Kinder immer mitwirken: „Das ist ein tolles Projekt. Alle fühlen sich wie eine Familie und die ganz Kleinen sind ganz groß“.

Zur Person

Von Vera Hettenhausen

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