Anna-Mira Brandau erlebt in Windhoek alltäglichen Rassismus und starke Kontraste

Leben in vielen Kulturen

In Katutura, „dem Ort, an dem niemand leben will“, kümmert sich Anna-Mira Brandau aus Bad Hersfeld um die Kinder in einem Kindergarten. Foto: nh

Natürlich habe ich mich vor meinem Flug ein bisschen über Namibia, meine Heimat auf Zeit, informiert. Ich habe über die deutsche Kolonialherrschaft gelesen, über die Abhängigkeit von Südafrika bis in die 1990er-Jahre, die damit einhergegangene Apartheidpolitik und über die junge Republik Namibia. Ich habe mir Bilder und Aids-Studien angeschaut. Ich habe mir eine Vorstellung gemacht von diesem Land, aber wie sagt man so schön: Am Ende ist es doch immer ganz anders. Wie wahr!

Namibia ist ein wunderschönes Land, und ich genieße meine Zeit hier sehr. Inzwischen sind zweieinhalb Monate rum und ich habe mich sowohl bei der Arbeit als auch in meiner Freizeit gut hier eingelebt. Meine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der „Evangelian-Lutheran Church in Namibia“ ist abwechslungsreich und macht mir viel Spaß.

Ohne Strom und Wasser

Neben dieser Arbeit besuche ich noch wöchentlich einen Kindergarten in Katutura („dem Ort, an dem niemand leben will“), dem Township Windhoeks. Da die Mitglieder meiner Gemeinde vornehmlich weiß sind, war es mir wichtig, durch meine Arbeit im Kindergarten noch einmal ein ganz anderes Namibia kennenzulernen. Ohne Strom oder fließend Wasser. Durch die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, die ich zusammen mit unserer Jugendgruppe organisieren werde, versuche ich beide Arbeiten miteinander zu verbinden. Zwei ganz unterschiedliche Arbeiten mit anderen Herausforderungen. Ein gutes Beispiel ist dafür die Sprache: während die Jugendlichen meines Jugendkreises „Südwester-Deutsch“ sprechen, eine Mischung aus Deutsch, Afrikaans und Englisch, sprechen die Kinder im Kindergarten vor allem Damara. Eine Sprache, die durch Klicklaute geprägt und mir völlig fremd ist. Aber mit Händen und Füßen und der Hilfe der jungen Kindergärtnerin, die ein wenig Englisch spricht, können wir uns trotzdem verständigen.

Diese Unterschiede sind es, die mein Leben hier und das ganze Land prägen. Wenn mich Leute fragen, ob ich mich in die Kultur eingelebt habe, frage ich nicht selten: Welche der vielen Kulturen meint ihr?

In Namibia leben viele verschiedene Volksgruppen, schwarze wie weiße. Doch anstatt von so einer Fülle der Kulturen zu profitieren, sind nicht selten Separation und Rassismus die Folge, die oft sehr offen ausgelebt werden. Sicherlich etwas, womit ich so nicht gerechnet hätte und was mich sehr stört. Was mir vorher auch nicht bewusst war, ist die Tatsache, dass man trotz einer ähnlichen Sprache und der gleichen Hautfarbe einen Kulturschock erleiden kann. So ging es mir mit den deutsch-sprachigen Namibiern.

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