250 Dinge, die wir an der Region mögen (119): die dicke Eiche am Beckersgraben

Vom Leben und Vergehen

BAD HERSFELD. Am Wiesenweg, der die Hersfelder Gemarkung Beckersgraben zum Zellersgrund hin abgrenzt, steht seit vermutlich über 300 Jahren ein mächtiger Baum, dessen Stammumfang inzwischen 7,20 Meter beträgt. Die Dicke Eiche ist seit rund 25 Jahren geschützt, wie ein kleines Blechschild ausweist.

Der mächtige alte Baum hat schon viel erlebt.

Sie darf daher nicht mehr ausgelichtet werden, sondern bleibt unberührt. Während meiner Jugend kam ich jeden zweiten oder dritten Tag dort vorbei, um unsere Jungrinder mit Wasser zu versorgen. Damals war noch ein Jägeransitz hineingenagelt, dessen lange Baunägel längst im Inneren des Eichenstammes komplett verschwunden sind. Durch das häufige Befahren war der Weg auch für Spaziergänger und Wanderer stets gut begehbar. Inzwischen haben Hecken und Jungbäume das Durchkommen auf einen recht schmalen Pfad begrenzt. Die jüngeren Bäume nehmen mittlerweile auch der Eiche einiges Licht weg, sodass ihre Krone zunehmend mehr Totholz enthält, was aus Sicht der Naturschützer wertvollen Lebensraum für Insekten und Käfer darstellt.

Beim Anblick wird einem deutlich, wie die Naturabläufe zwischen Leben und Vergehen so nahe beieinander sind, denn das langsame Absterben hat seit vielen Jahren begonnen, aber Neuaustriebe sorgen für Lebenserhalt und Wachstum. Der Prozess wird wohl noch viele Jahrzehnte so weitergehen.

Derartigen Wandel zu betrachten, macht gerade diesen besonderen Baum zu einem „Denkmal“ und lässt unsere eigene Lebenszeit dagegen demütig kurz erscheinen.

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