Pfarrer Christian Sack nimmt am Sonntag Abschied von seinen Gemeinden

Leben unter dem Kreuz

Manchmal ein wenig schüchtern, aber immer mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen: Pfarrer Christian Sack (links) ist den Menschen zugewandt und offen für ihre Sorgen und Nöte. In wenigen Tagen verlässt er die Pfarrei St. Bonifatius, die aller Voraussicht nach Anfang 2015 in der Großpfarrei Bad Hersfeld aufgehen wird. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Natürlich hängt ein Porträt von Papst Franziskus an der Wand seines Amtszimmers. Natürlich war er auch schon oft in Rom. Aber dass Christian Sack den Beruf des Pfarrers ergreifen und von Bad Hersfeld aus eine Pfarrei mit rund 4500, bis zu 50 Kilometer voneinander entfernt lebenden katholischen Christen leiten sollte, war ihm nicht in die Wiege gelegt.

Das Leben des Geistlichen, der sich am Sonntag, 29. Juni, 14.30 Uhr, in einem Festgottesdienst von seinen Gemeinden verabschieden wird, begann in Oberschlesien. Auf einem kleinen Bauernhof als Sohn einer deutschstämmigen Familie in die mitteleuropäische Nachkriegsordnung hineingeboren, musste er miterleben, dass es polizeilich verboten war, die eigene Muttersprache zu sprechen. „Bei Geburtstagsfeiern konnten wir es nur dann wagen, ein Lied anstimmen, wenn die Fenster geschlossen waren“, erinnert sich der 60-Jährige. „Wir standen als Ausländer da, und deshalb sahen meine Eltern irgendwann keine Zukunft mehr für uns in der Heimat.“

Auf in die Großstadt

Nach mehrjährigen Anstrengungen gelang die Ausreise und für Sacks hieß es: „Ab nach Kassel!“ In der Großstadt begann für den an Mathematik und Naturwissenschaften interessierten elfjährigen Christian das Leben neu, hier besuchte er mit anderen Jungen die bis dahin als reine Mädchenschule geführte Heinrich-Schütz-Schule, und hier machte er vor ganz genau 40 Jahren Abitur.

Hier schloss er sich auch einem kleinen Kreis von Schülern an, für den Beten – wie Mittagessen – zum Alltag gehörte, und hier fragte er sich: „An welchem Platz will Gott mich haben?“ Er entschied sich für für den Besuch des Fuldaer Priesterseminars, und in der Bischofsstadt wurde ihm nach vier Jahren ganz spontan klar: „Das ist dein Weg!“

Nach einjährigem Außenstudium in Würzburg wurde er 1980 zum Priester geweiht. Ein Satz aus der Weiheliturgie bedeutet ihm bis heute sehr viel: „Ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“ Gerne erinnert er sich an seine Zeit als Kaplan in Bad Orb, wo ihn ganz besonders beeindruckte, wie sehr sein „Chef“, der jetzige Prälat Rudolf Hofmann, mit den Menschen verbunden war. „So volksnah bin ich leider nicht“, stellt er rückblickend fest, „ich bin eher schüchtern.“

1983 wurde ihm die Pfarrstelle Fulda-Gläserzell übertragen, 1993 ging es nach Hanau und 2004 nach einem Sabbatjahr „in die evangelische Hochburg“ Bad Hersfeld. Auf der Hohen Luft half er mit, die Jugendarbeit neu zu etablieren und auf eine ökumenische Grundlage zu stellen. Wichtig war ihm dabei immer, dass Jugendliche eine Heimat finden, Selbstvertrauen aufbauen und damit auch berufliche Perspektiven gewinnen können.

Von Papst Franziskus, der von der Wand seines Amtszimmers lächelt, ist er überaus angetan: „Seine Art wirkt auf mich sehr befreiend. Wie er möchte auch ich als Hirte nicht nur vorangehen, sondern hinter der Herde hergehen, um die Schwachen und Verletzten zu verbinden. Im Übrigen dürfen wir uns als Kirche auch nicht so sehr aufs Wohlfühlen konzentrieren. Unsere eigentliche Aufgabe ist es, vom Basislager Kirche aus aufzubrechen und die frohe Botschaft hinauszutragen in die Welt!“

Von Wilfried Apel

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