Der Bad Hersfelder Mohammad Arshad erreicht seine Verwandten in Pakistan nicht

Leben in Ungewissheit

Sie können nur warten: Shamim, Zohaib, Noreza, Ayesha, Shazaib und Mohammad Arshad (von links nach rechts) machen sich große Sorgen um Familie und Freunde. Foto: Becker

Bad Hersfeld. Den Fernseher macht Mohammad Arshad seit Tagen nicht mehr an. Zu schrecklich sind die Bilder aus seinem Heimatland Pakistan, die täglich in den Nachrichten zu sehen sind. 30 Jahre ist es her, seit er mit seiner Frau Shamim nach Bad Hersfeld kam, aus politischen Gründen, wie er sagt.

Kein Kontakt möglich

Einige seiner Verwandten leben noch in dem Land, das zur Zeit von einer der schlimmsten Hochwasserkatastrophen aller Zeiten heimgesucht wird. „Normalerweise melde ich mich alle zehn Tage bei ihnen in Pakistan“, berichtet der 49-Jährige. „Aber jetzt ist einfach alles kaputt, ich kann sie nicht erreichen. Ich habe Angst um meine Familie.“

Von den politischen Zuständen in Pakistan ist er tief enttäuscht. „Die Politiker in diesem Land machen gar nichts für die Bevölkerung dort. Gar nichts.“ Dann beginnt er zu gestikulieren. „Wie kann es sein, dass die Reichen des Landes Urlaub machen, während die Not leidende Bevölkerung in den Fluten alles verliert? Das sind keine guten Menschen!“ Seit sie das gemeinsame Heimatland verlassen haben, sei die Situation dort immer schlimmer geworden, meint seine Ehefrau Shamim Arshad.

Besonders jetzt, in schlimmen Zeiten wie diesen, ist die Bevölkerung auf die Hilfe ihrer Politiker angewiesen, doch diese seien größtenteils korrupt. „Immer wirtschaften sie nur in die eigene Tasche!“, schimpft Mohammad Arshad. „Man muss sich das einmal überlegen: Diese Leute haben nichts, kein Haus, kein Essen. Und die Politiker verschlimmern ihre Armut noch.“ Er sei sehr froh darüber, mit seiner Familie in Deutschland zu leben. Drei seiner fünf Kinder sind in Pakistan geboren, aber „da wären sie jetzt nicht in Sicherheit.“

Tochter Ayesha ist das älteste der Kinder. Sie selbst hat auch Freunde in Pakistan, kann sie aber nicht erreichen. „Es ist schlimm, nicht zu wissen, wie es ihnen geht“, meint die Elfjährige traurig. „Ich mache mir große Sorgen um sie.“

Mohammad Arshad ist dankbar über die Spenden aus westlichen Ländern. „Amerika und Europa haben schon viel für mein Heimatland getan.“Am liebsten würde er selber nach Pakistan fliegen, um den Menschen dort vor Ort zu helfen. „Dann könnte ich mich auch vergewissern, dass es meiner Familie dort gut geht.“ Den Vorwürfen, das Geld komme nicht bei den Menschen an, schenkt er keinen Glauben.

Jeder soll spenden

„In die großen Hilfsorganisationen habe ich großes Vertrauen“, sagt er. „Ihnen glaube ich, dass ihnen das Wohl der Bevölkerung wirklich am Herzen liegt.“ Deshalb ruft er auch alle Menschen dazu auf, für die Opfer des Hochwassers in Pakistan zu spenden. „Selbst, wenn man nicht viel hat, sollte man etwas geben“, meint Arshad. „Denn die Menschen in Pakistan haben gar nichts.“

Von Hannah Becker und Miriam Claus

Kommentare