Angeklagter Rafael P. berichtet von Problemen mit Drogen-, Alkohol- und Spielsucht

Ein Leben im Rausch

Sein bewegtes Leben schilderte der Angeklagte Rafael P. gestern vor dem Schwurgericht am Landgericht Fulda. Er ist wegen Mordes an seiner Freundin angeklagt und wird von dem Hersfelder Anwalt Jochen Kreissl (rechts) verteidigt. Der Prozess löste großes Medieinteresse aus. Foto: Nies

Bad Hersfeld/Fulda Seit dem Tag der Tat im Dezember 2011, als Rafael P. mit einem Messer auf seine Freundin im Bad Hersfelder Zellersgrund einstach, sitzt der Angeklagte in Fulda in Untersuchungshaft. 22 Eintragungen umfasst sein Vorstrafenregister.

Nach dem Besuch der Hauptschule kam er als 17-Jähriger im Jahr 1992 nach Deutschland. Im gleichen Jahr stand er in Hamburg, wo er die nächsten Jahre verbrachte, das erste Mal vor dem Amtsrichter. 13 Mal musste er sich als Jugendlicher verantworten – wegen Diebstahls, Drogenbesitzes, Schwarzfahren, Hausfriedensbruchs und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Jedes Mal sah das Gericht wegen des jugendlichen Alters des Täters von einer Verfolgung ab.

Erste Haftstrafe mit 22 Jahren

Erst 1997, als er 22 Jahre alt war, wurde er wegen Raubes das erste Mal zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Weil er Gäste in einer Kneipe verprügelt hatte, kam er 2006 erstmals mehrere Monate in Haft. Nachdem er seinen Chef unter Waffengewalt gezwungen hatte, ihm ausstehende 90 Euro auszuzahlen, musste er 22 Monate in Haft. Beide Taten, wegen denen er zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt wurde, hatte er stark alkoholisiert begangen.

Der Angeklagte schilderte, er sei schwer drogen-, alkohol- und spielsüchtig gewesen sei. Seine Ausbildung als Koch habe er wegen seiner Drogensucht abgebrochen. Nach einer sechs Monate dauernden Therapie wegen Spiel- und Drogensucht in Bad Hersfeld blieb er 2010 in der Stadt, arbeitete erst in einem Hotel als Barmann, dann ab Mai 2011 bei Amazon.

„Ich habe mein ganzes Geld vertrunken und verspielt. Drei- bis fünfmal pro Woche habe ich mich in den Monaten vor der Tat bis zur Besinnungslosigkeit betrunken“, sagte er. Er sei dann auch mehr krank gemeldet gewesen als dass er habe arbeiten können. Im März 2011 sei er im Zellersgrund mit seiner Freundin zusammengezogen – der Frau, die er dann nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Dezember des gleichen Jahres tötete.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Volker Nies

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