Montagsinterview mit André Eisermann über seine Rückkehr nach Bad Hersfeld

André Eisermann: Leben für das Publikum

Bad Hersfeld. Für seine mitreißende Darstellung des Handwerkers Zettel in den „Sommernachts-Träumereien“ hat André Eisermann im vergangenen Sommer den Publikumspreis der Bad Hersfelder Festspiele erhalten. Jetzt kehrt der leidenschaftliche Schauspieler mit einem Solo-Programm um Goethes „Werther“ nach Bad Hersfeld zurück. Anlass für uns, mit Eisermann über sein Gastspiel und seine weiteren Pläne zu sprechen.

Herr Eisermann, was dürfen wir uns unter einer „spoken word performance“ zu Goethes „Werther“ vorstellen?

André Eisermann: Übersetzt bedeutet es die „Darstellung des gesprochenen Wortes“. Es ist eine Literatur-Performance zu Goethes „Werther“, bei der mich mein Pianist Jakob Vinje, der eigens hierfür die Musik komponiert hat, live am Flügel begleiten wird.

Bei den Festspielen haben wir Sie in den „Sommernachts-Träumereien“ als quicklebendigen Darsteller erlebt. Wieviel Action steckt denn in Ihrem „Werther“? Sie sitzen doch bestimmt nicht nur herum ...

Eisermann: Doch, ich sitze da nur herum. Zweimal 40 Minuten. Die Pause benötige ich, weil mich Stoff, vor allem aber die Gefühle des „Werther“, seine obsessive Liebe zu Lotte, seine Projektionen, seine Selbstmordgedanken, die ich natürlich alle nachvollziehe, denen ich durch das gesprochene Wort Ausdruck verleihe, schon nach 30 Minuten fix und fertig machen. Vom zweiten Teil ganz zu schweigen. Ja, der Stoff ist voller Action, absolute Popkultur.

Für die neue Tour haben Sie das Programm überarbeitet, neudeutsch „reloaded“. Was heißt das genau, was ist jetzt anders?

Eisermann: Man kann an Goethes Brief-Roman nicht wirklich etwas überarbeiten. Man kann nur immer wieder Neues in ihm entdecken. Wir haben sozusagen „nachgeladen“.

Gerade in Zeiten, wo die Debatte um Suizid und Sterbehilfe noch immer sehr kontrovers diskutiert wird und man dem jungen Goethe den Vorwurf machte, er würde in seinem Roman keine moralische Position zum Selbstmord einnehmen, ist es uns ein Anliegen das Gegenteil zu beweisen und überhaupt zu zeigen, dass der 21-jährige Johann Wolfgang seiner Zeit ganz schön voraus war.

Wenn man den Gerüchten glauben darf, werden die „Sommernachts-Träumereien“ im nächsten Jahr wieder aufgenommen. Heißt das, es gibt bei den Festspielen auch ein Wiedersehen mit André Eisermann?

Eisermann: Wenn die „Sommernachts-Träumereien“ im nächsten Jahr wieder aufgenommen werden, dann werde ich ganz bestimmt wieder in der Rolle des Zettel dabei sein.

In Ihrer Wahl-Heimat Mallorca wohnen Sie ja nicht weit von Festspielintendant Dieter Wedel. Hatten Sie zwischenzeitlich Kontakt mit ihm und haben gar gemeinsam Pläne für Bad Hersfeld geschmiedet?

Eisermann: Nein.

Abgesehen vom „Werther“ und den Festspielen, woran arbeiten Sie in der Zwischenzeit, wo und in welchen Rollen kann man Sie erleben?

Eisermann: Jetzt werde ich zuallererst einmal am 20. November in der Stadthalle von Bad Hersfeld zu sehen sein und darauf freue ich mich sehr.

Wenn wir Ihnen sagen, dass sich die Hersfelder und ihre Nachbarn auf weitere Begegnungen mit Ihnen freuen, was bedeutet Ihnen das?

Eisermann: Es bedeutet mir sehr viel. Wissen Sie, wir Künstler sind Menschen wie alle anderen auch. Auch wir haben ein Leben voller Freude und vieler Sorgen. Ein Tag kommt, ein Tag geht. Der Sommer kommt und der Sommer geht. Menschen kommen und Menschen gehen. Doch wissen Sie was bleibt? Zum einen wir selbst und zum anderen das Publikum.

Es begleitet uns oft Jahrzehnte lang. Es hat schon so manchem Künstler, Musiker oder Schauspieler – und ich kenne da einige – über schwere Zeiten hinweg geholfen, weil es da ist und sich auf die Begegnung freut. Das spürt man da oben und das fühlt sich gut an. Wenn Sie mich also fragen, was mir diese Begegnungen bedeuten, kann ich darauf nur antworten: Alles. Dafür lebe ich.

André Eisermann wird am Freitag, 20. November, gemeinsam mit dem Pianisten Jakob Vinje ab 20 Uhr mit einer „spoken word performance“ zu Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ in der Stadthalle von Bad Hersfeld auftreten. Die Vorstellung ist die überarbeitete Version eines Programms, mit dem die beiden bereits 600 mal in aller Welt gefeiert wurden. Karten gibt es in der Kartenzentrale am Markt, Telefon 06621/640200. (ks)

Von Karl Schönholtz

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