Martina Radetzki möchte ihr totgeborenes Baby amtlich beurkunden lassen

Ein Leben auf dem Papier

Martina Radetzki hat vor sieben Jahren selbst eine Fehlgeburt erlitten, über die Selbtshilfegruppe „Kleine Engel“ möchte sie auch anderen Betroffenen helfen. Zum weltweiten Gedenktag für vor und kurz nach der Geburt verstorbene Kinder am 15. Oktober legte sie einen Kranz auf dem Grabfeld für so genannte Sternenkinder auf dem Hauptfriedhof in Bad Hersfeld nieder. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. In der neunten Schwangerschaftswoche hat Martina Radetzki vor sieben Jahren ihr Baby verloren. Jetzt möchte sie die seit Mai bestehende Möglichkeit nutzen, ihr damals mit unter 500 Gramm tot geborenes Kind namentlich beim Standesamt anzumelden.

Sie und ihr Partner werden dann ganz offiziell als Mutter und Vater des „Sternenkinds“ anerkannt. „Diese Bescheinigung gibt einem das Gefühl, das Kind hat existiert, auch wenn es nicht im Stammbuch steht“, sagt Radetzki. Noch hält sie die Urkunde allerdings nicht in der Hand, denn der „Papierkram“ war sie für sie besonders aufwändig, da sie ihr Baby damals ausgerechnet im Urlaub verlor, und nun auch das Standesamt Oldenburg mit einbezogen werden muss.

Zwar wussten Radetzki und ihr Partner wegen des frühen Stadiums, in dem das Kind starb, das Geschlecht nicht, um nicht immer von „der Fehlgeburt“ sprechen zu müssen, haben die beiden dem Kind trotzdem einen Namen gegeben und es damit zum Mädchen gemacht. Saoirse ist irisch und bedeutet Freiheit.

Am 9. April 2006 war es, als die gelernte Krankenschwester plötzlich Blutungen bekam und im Krankenhaus eine so genannte Ausschabung hatte. Noch im gleichen Jahr rief Radetzki gemeinsam mit ihrer Freundin Angela Frey die Selbsthilfegruppe „Kleine Engel“ ins Leben, um anderen Betroffenen, speziell in Hersfeld-Rotenburg, Informationen und Unterstützung anzubieten.

Die 41-Jährige freut sich, anderen Betroffenen helfen zu können, denn sie selbst sei nach der Fehlgeburt mit ihrem Partner völlig auf sich allein gestellt gewesen, selbst ihre Mutter habe die Trauer um den „Zellklumpen“ nicht verstanden. Sie weiß aber auch, dass jeder anders mit einem solchen Verlust umgeht. „Manche stecken das locker weg, andere haben lange damit zu kämpfen.“

Auf Initiative des Hospizvereins Bad Hersfeld gemeinsam mit dem Klinikum und der Stadt ist 2008 ein Gräberfeld für Sternenkinder auf dem Hauptfriedhof in Bad Hersfeld entstanden, wo Radetzki seitdem regelmäßig nach dem Rechten sieht und einmal im Jahr am 15. Oktober, dem Gedenktag für vor und kurz nach der Geburt verstorbene Kinder, einen Kranz niederlegt.

Keine Beerdigung möglich

Sie selbst hatte damals nicht die Möglichkeit, ihr Totgeborenes beerdigen zu lassen, das Baby landete deshalb im Klinikmüll. Eine Vorstellung, die Radetzki nicht behagt, denn für sie beginnt das Leben schon nach der Zeugung.

Auf dem Gräberfeld werden vierteljährlich alle Fehl- und Totgeburten des Klinikums beerdigt, es sei denn, die Eltern wünschen etwas anderes. Für die Eltern, die von den Klinik-Seelsorgern auch zu einer zentralen Feier eingeladen werden, sind die Sammelbestattungen kostenfrei.

Radetzki ist froh, dass es damit für alle Sternenkinder einen Ort der Erinnerung und der Trauer gibt. Wer Kontakt zur Selbsthilfegruppe „Kleine Engel“ aufnehmen möchte, kann sich unter Telefon 06621/794895 melden oder per E-Mail an shg.kleine.engel@googlemail.com oder kleine.sternenkinder@googlemail.com.

Von Nadine Maaz

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