Bad Hersfelder Festspiele 2011: Heute Premiere von „Sunset Boulevard“

Leben im Albtraum

Das ist die Welt, in die der vergessene Stummfilm-Star Norma Desmond zurückkehren möchte: Die Paramount-Studios mit den Glitter- und Flitter-Illusion Marke Hollywood. Fotos: Ludger Konopka

Bad Hersfeld. Was haben die Festspiel-Produktionen von „Das Dschungelbuch“ und „Sunset Boulevard“ gemeinsam? Sie konkurrieren beim Zuschauer mit den Bildern aus höchst populären Filmen: Hier der unvergessliche Disney-Zeichentrick, da das Billy Wilder-Meisterwerk „Boulevard der Dämmerung“.

Wie sein Regie-Kollege Janusz Kica tritt heute abend nun auch Gil Mehmert in der Stiftsruine an, das Publikum mit neu geschaffenen Bildern in den Bann zu ziehen, eine neue Wirklichkeit zu schaffen.

Liebevoll behütet

Die spielt allerdings in einer Traumwelt. Nicht nur ganz allgemein in der von Hollywood, sondern ganz persönlich in der der alternden Diva Norma Desmond.

Die ist als Stummfilm-Star beim neuen Tonfilm in Vergessenheit geraten, blendet die Realität jedoch konsequent aus – dabei liebevoll behütet von ihrem Ex-Ehemann und Butler Max.

In diese Isolation gerät zufällig der abgebrannte Drehbuchschreiber Joe Gillis. Norma nutzt dessen Verlegenheit und vertraut ihm ihr unsägliches, selbst verfasstes „Salome“-Drehbuch an, von dem sie die das große Comeback verspricht.

Joe spielt mit, lebt mit ihr ein Leben im Albtraum und wird sogar Normas Liebhaber. Doch als er gemeinsam mit Betty ein eigenes Stück schreibt, verlieben sich beide ineinander. Die Trennung von Norma ist nicht nur dramatisch, sondern endet in einer Katastrophe. Im Schlussbild hat die Diva dann noch einmal den heiß ersehnten großen Auftritt vor dem Kameras...

Die komplexe, hier nur andeutungsweise wiedergegebene Story, wird in Dialogen und Liedtexten sehr komprimiert erzählt, so dass die Aufführung nur wenig länger als zwei Stunden dauert.

„Sunset Boulevard“ zählt mit seiner teilweise opernhaften Musik zum Anspruchsvollsten, was Andrew Lloyd Webber geschrieben hat. Populär wurden insbesondere das Lied „Träume aus Licht“ sowie der Titelsong.

Für Hersfeld-Heimkehrerin Helen Schneider ist die Rolle der Norma nichts Neues, sie war auch schon der Star der deutschen Erstaufführung 1996 im Rhein-Main-Theater. Regisseur Gil Mehmert hingegen kennt diese Inszenierung nicht. Wie er den Stoff auf die Bühne bringt – das ist ab heute Abend, 21 Uhr, in der Stiftsruine zu erleben.

Sowohl für die heutige Premiere als auch für alle anderen Termine sind noch Eintrittskarten zu haben, entweder über die Kartenzentrale am Markt, an der Abendkasse oder im Internet unter www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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