Probenbeginn der Bad Hersfelder Festspiele: Montagsinterview mit Intendant Holk Freytag

Lear ist nichts zum Naschen

Festspiel-Intendant Holk Freytag mit der Strichfassung des „König Lear“-Textes. Hinten an der Wand ein Bild des von ihm verehrten Leonard Bernstein und Freytags Lieblings-Comic von Calvin & Hobbes. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Heute beginnen die Proben für die 62. Bad Hersfelder Festspiele, die am 15. Juni mit der Premiere von „König Lear“ eröffnet werden. Wir sprachen mit Intendant Holk Freytag über alte und neue Probleme, über die Vergangenheit und die Zukunft.

Herr Intendant, haben Sie bis heute alles regeln können, was Sie bis heute geregelt haben wollten?

Holk Freytag: Im Prinzip habe ich das gemacht. Es gibt nur noch ein paar Sachen, die wir klären müssen, bühnenbildmäßig und ablaufmäßig.

Das Festspieljahr folgt eigentlich jedes Jahr der gleichen Struktur. Gibt es diesmal größere Veränderungen?

Freytag: Die gibt es im Detail. Denn man wird ja jedes Jahr klüger. Deswegen ist die Planung diesmal noch exakter. So habe ich für „König Lear“ einen Probenplan bis zur Premiere, so dass die Schauspieler schon jetzt genau wissen, wann was probiert wird. Da können sie sich darauf einrichten. Es gibt auch einen Gesamtprobenplan.

Das sind aber mehr interne Geschichten. Und nach draußen?

Freytag: Wir haben eine wichtige Änderung im Europolis-Programm, denn wir haben die Sommerakademie vom Jugendforum abgekoppelt. Sie wird sich ausschließlich mit Themen der Festspiele beschäftigen. Ich glaube, dass das segensreich ist.

Gibt es in diesem Jahr eine besondere Herausforderung?

Freytag: Die Herausforderung ist, den wirklich schönen Erfolg des Vorjahres zu wiederholen oder – wenn es geht – zu toppen. Denn wir haben ein paar Stücke, die richtig schwer sind. „König Lear“ ist nämlich nicht irgendwas zum Naschen. Den mache ich jetzt zum zweiten Mal, und da wird das nicht etwa leichter, sondern schwerer.

Gilt das mit der Herausforderung auch für „Anatevka“?

Freytag: Ja, denn hier stellt sich die Aufgabe, dass die Menschen eine gewisse Vorstellung haben, wie das abzulaufen hat, und die wird Stefan Huber nicht bedienen. Da hat er meine volle Unterstützung. Wir haben eine wunderbare Besetzung mit ganz offensiven Leuten – beginnend mit Michael Schanze – und ich glaube, das kann eine sehr aufregende Aufführung werden.

Eine Herausforderung für den Festspiel-Intendanten ist immer auch der Umgang mit dem Arbeitskreis für Musik als Veranstalter der Oper in der Stiftsruine. Hat sich übers Jahr im angespannten Verhältnis etwas verbessert?

Freytag: Nein, da hat sich nichts getan. Ich sehe da im Moment auch keine Möglichkeiten, dass sich da etwas ändert.

Jetzt kommt die von ihnen wenig geliebte Frage nach dem Vorverkauf. Der bewegt sich nach unseren Informationen etwa auf Vorjahresniveau. Doch im Wirtschaftsplan 2012 haben Sie mit deutlich höheren Einnahmen kalkuliert. Tut sich da eine Lücke auf?

Freytag: Sie werden es mir nicht glauben, aber ich weiß es nicht. Ich kümmere mich im Moment nicht um den Stand des Vorverkaufs, das macht jetzt die Verwaltungsleitung. Soweit ich informiert bin, läuft es gut, aber wir werden noch einiges tun müssen. Es kommen jetzt noch einmal eine ganz neue Kampagne und ein neuer Prospekt, der 60 000-mal verschickt wird. Wir starten also noch mal richtig durch, was die Werbung betrifft, und hoffen, dass es Auswirkungen hat.

Sie haben schon im vergangenen Jahr gesagt, dass die Abendkasse immer wichtiger wird. Ist das so?

Freytag: Ja, denn die Zahl der Spontan-Entscheider wird von Jahr zu Jahr größer. Das finde ich schön, denn Abendkasse hat auch immer was mit Lebendigkeit zu tun. Und jetzt rechnen wir mal damit, dass wir ganz gute Produktionen hinkriegen.

Was erhoffen Sie sich vom Sponsoring, um das sich seit diesem Jahr die Hamburger Agentur Eskom kümmert?

Freytag: Wir können nicht erwarten, dass wir eine Agentur engagieren, und die machen vier Wochen Arbeit und dann haben wir eine halbe Million auf dem Konto. So einfach geht das nicht.

Schade eigentlich ...

Freytag: Eigentlich schade. Aber wir haben gerade wieder ein Gespräch gehabt. Das sind alles mittelfristige Verhandlungen. Aber worüber ich sehr glücklich bin: Das Sponsoring-Geschäft ist jetzt in den Händen von Profis und da ist eine Struktur drin. Die pflegen die Leute auch. Und da können wir dann auch einiges erwarten.

Wie steht es eigentlich um die Verlängerung Ihres Vertrages? Der läuft bis 2013. Wie ist der Stand der Dinge?

Freytag: Herr Fehling und ich haben darüber gesprochen, und ich habe ja schon gesagt, dass ich gerne weitermachen würde.

Also ist jetzt die Stadt am Zug?

Freytag: Ja. Die Stadt muss jetzt sagen, ob sie will oder nicht. Ich denke, es sieht nicht schlecht aus.

Von Karl Schönholtz

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