Kabarettduo „Die Buschtrommel“ begeistert das Publikum im Buchcafé

Laut lachend hinein ins Dunkel

Willi: Ludger Wilhelm alias Ruhrpott-Prolet. Mit der Logik des kleinen Mannes erklärt Willi dem Publikum die Krise.

Bad Hersfeld. Seit etwa einem Jahr tourt das Kabarettduo „Die Buschtrommel“ mit seinem aktuellen Programm „Tunnel am Ende des Lichts“ durch Deutschland und amüsiert mit diesem bitterbösen und zugleich urkomischen Streifzug durch die deutsche Politszene.

Jetzt gastierten Andreas Breiing und Ludger Wilhelm alias „Die Buschtrommel“ im ausverkauften Bad Hersfelder Buchcafé, um mit ihrem pechschwarzen Humor reichlich Salz in die aktuellen Wunden von Staat und Gesellschaft zu streuen.

In siegesgewisser Politikerpose skandierten die beiden „Optimisten“ zu Beginn mit dem Victory-V, dass in Europa alles wieder gut wird. Eurolands heile Welt, bestehend aus den drei V’s Vertrauen, Völkerverständigung und V(F)rieden könne schließlich nichts erschüttern.

Wie es hinter den Kulissen der Macht zugeht, stellen sich die beiden Zyniker sehr unterhaltsam vor. Da wird etwa beim Bewerbungsgespräch für den Pressesprecherposten der deutschen Bundesregierung das passende Vokabular zum Mitleid heucheln nach Katastrophen mit geringem oder höherem Anteil an deutschen Staatsbürgern unter den Opfern ausprobiert, bis es endlich „ehrlich“ klingt.

In der Bankenkrise sind die Schuldigen aus der deutschen Politik für Andreas Breiing und Ludger Wilhelm sonnenklar. Die „Heuschreckenzüchter“ von der FDP kriegen an diesem Abend eine satirische Breitseite nach der anderen verpasst.

Als Verfassungsschützer mit Sonnenbrille und langem Ledermantel warnen Wilhelm und Breiing das Publikum ausdrücklich vor neoliberalem Terrorismus und betonen, dass die Resozialisierung dieser Verbrecher unmöglich ist.

Die Heuschrecken

Aber auch die US-amerikanischen „Heuschrecken“ kriegen mit dem, in passende Country-Klänge verpackten Spottlied „America first“ von Andreas Breiing, ihr Fett weg.

Damit das Programm des Abends politisch nicht allzu einseitig gerät, malen die beiden „Buschtrommeln“ zwischendrin gemeinsam das „Luftschloss“ einer grünen Kanzlerschaft in Deutschland an die Bühnenwände. Tempo 30 auf allen Autobahnen, mit bunten Blumenkästen an der Überholspur, Haschen wird zur Bürgerpflicht, aus Steakhäusern werden Saftläden und die Krönung wäre dann die neue Verteidigungsministerin Claudia Roth.

Höhepunkt des Abends war sicherlich die Märchenstunde mit Ludger Wilhelm, in der dieser mit warm-freundlicher Erzählerstimme aus einem großen Märchenbuch dem Publikum die Geschichte vom „kleinen Wulff, der gerne Bundespräsident sein wollte“ vorlas.

Unvergesslich dürfte zudem für viele Zuschauer Andreas Breiings Solo-Auftritt als Politiker bleiben, der eine Rede über das deutsche Kulturgut „Bier“ hält, währenddessen stolze sechs Gläser Bier auf Ex herunterschüttet und mit jedem Glas Bier mehr ein weiteres Stück Kontrolle über seine Aussprache verliert. Das Bad Hersfelder Publikum amüsierte sich köstlich und honorierte mit donnerndem, langanhaltendem Applaus diese herrlichen Persiflagen auf die deutsche Gegenwarts-Politik.

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