Schöffengericht Bad Hersfeld verurteilt 38-Jährigen aus Rotenburg zu zwei Jahren Haft

Langfinger im Kannibalenhaus

Bad Hersfeld. Um Erklärungen war der Angeklagte nicht verlegen. Wie eine Vielzahl gestohlener Gegenstände, darunter Computer, Laserdrucker, ein Koffer, Baugeräte, eine Stereoanlage, ein Mountainbike und anderes mehr, in seinen Besitz geraten waren, das schilderte der 38-Jährige aus Rotenburg vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld ebenso wort- wie einfallsreich.

Alles nur Geschichten

Mochten Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen möglicherweise zweifeln, ob der lediglich über ein Fahrrad verfügende Hartz IV-Empfänger tatsächlich auch Barhocker und andere sperrige Dinge aus einem leerstehenden Geschäft in Mündershausen abtransportiert hat, an die Geschichte von den Unbekannten, die dem Angeklagten in dessen Abwesenheit Diebesgut in die Wohnung gestellt haben sollten, daran glaubten sie gewiss nicht.

Und mit dem Kaufbeleg für einen Computer, den er bei der Polizei vorgelegt hatte, stellte sich der Langfinger selbst ein Bein: Am Tag des angeblichen Einkaufs hatte er fernab vom Rotenburger Aldi-Markt im Knast gesessen.

Eine Geschichte für sich war auch die, wie der aus Baden-Württemberg stammende Mann ausgerechnet nach Waldhessen gekommen war. Eigentlich habe er nach Berlin gewollt, berichtete er, doch dann habe er mit dem „Armin“ – auch bekannt als der „Kannibale von Rotenburg – Kontakt aufgenommen und sei in dessen verlassenes Gutshaus im Stadtteil Wüstefeld gezogen.

„Warum?“, wollte Richter Krusche wissen und bekam von dem 38-Jährigen zur Antwort, dass er sich für alte Häuser interessiere. „Davon gibt’s ja eigentlich genug in Deutschland...“, sagte Krusche, der offensichtlich nicht überzeugt war.

Auch Kinderpornografie war in dem gestrigen Prozess ein Thema, auch wenn sie juristisch keine Rolle spielte. So hatten sich auf einem von dem Angeklagten geklauten Computer entsprechende Bilder gefunden, in seinem ellenlagen Vorstrafenregister gab es einschlägige Verurteilungen, und es läuft wegen solcher Sachen ein neues Ermittlungsverfahren.

Chance nicht genutzt

Das alles spielte gestern zwar keine Rolle, doch auch die vier angeklagten (Einbruchs-) Diebstähle reichten für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Eine Strafaussetzung zur Bewährung kam nicht in Frage: Diese Chance hatte man dem Rotenburger bei seiner vorherigen Verurteilung gegeben, doch genutzt hat er sie nicht.

Von Karl Schönholtz

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