54. Festspielkonzerte: Pianist Davide Piero Runcini überzeugte erst mit den Zugaben

Ein langer Weg zum Gipfel

Bad Hersfeld. Konzertveranstaltungen entwickeln zuweilen ihre eigene, unvorhersehbare Dynamik. Der Klavierauftritt des italienischen Pianisten Davide Piero Runcini am Sonntag im J.S.Bach-Haus erreichte seine Höhepunkte erst mit den drei Zugaben.

Nicht dass der Musiker und Musikwissenschaftler aus Genua sich zuvor empfohlen hätte für solche zirzensischen Vorzeigestücke wie „Andaluza“ aus den Spanischen Tänzen op. 37 von Enrique Granados, für den Feuertanz aus Manuel de Fallas Ballettmusik „Der Liebeszauber“ (El amor brujo) und für eine Etüde von Alexander Scriabin.

Doch die rund 100 Klavierenthusiasten lernten, dem Solisten seine Unvollkommenheiten und Ungeschicklichkeiten (warum musste er die Notenblätter selbst umwenden?) nachzusehen und schienen zu ahnen, dass er mehr „drauf hatte“. Ihr ausdauernder Beifall animierte ihn nun um so mehr. Tatsächlich, die genannten Zugabestücke absolvierte Runcini (geboren 1978) mit pianistischem Draufgängertum, mit Verve, Lockerheit, technischer Finesse, ja mit der Überrumpelungsgeste des Magiers.

Über alles Vorherige - Schumanns monumental-wunderbare C-Dur-Fantasie op. 17, eine verzweifelte Liebeserklärung an Clara und eine Hommage an Beethoven, über drei Nummern aus Rossinis „Soirées musicales“, darunter die berühmte „Danza“, sowie über Liszts Franziskus-Legende Nr. 2 und seine Étude d’execution transcendente Nr. 10 - ist nicht mehr viel zu sagen. Bei solchen technisch wie geistig höchst anspruchsvollen Werken muss der Pianist weit über den Dingen stehen.

Davide Piero Runcini hatte zwar den Mut, nicht aber das pianistische Rüstzeug und wohl auch nicht die psychische Festigkeit für diese Gipfeltouren. Lassen wir also gelten: Ende gut – alles gut.

Von Siegfried Weyh

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