250 Dinge (122): Eine Wanderung zum Sängerplatz bei Niederjossa

Landschaft zum Träumen

Einen wunderbaren Blick hat man vom Sängerplatz oberhalb von Niederjossa auf das Fuldatal. Foto:  Hans Rohrbach

Niederjossa. Wir machen uns mit einem Rucksack, gefüllt mit Getränken und Bauernbroten, die mit Alter Wurst belegt sind, auf den Weg durch das Jossatal bis zur kleinen Waldspitze am Fuße des Erlingsberges in Niederjossa. Dieses Bauernbrot und die Stracke ist fest mit unserer Region verbunden und wird hier mit Vorliebe von Jung und Alt verspeist.

Hier im Reichengraben spenden uns Fichten und Buchen Schatten. Kaum noch zu erkennen ist der kleine Trampelpfad, der durch alle Unebenheiten schnurgerade den steilen Berg empor führt. Über weiche Mooskissen, knorrige Wurzelreste und dicke Steinbrocken wandern wir bergauf. Manchmal scheint die Sonne von Osten durch lichte Baumstellen. Ich denke an meine Kindheit, als hier, im Wäldchen, oft unser Spielplatz war.

Wie bei Schneewittchen

Langsam arbeiten wir uns vorwärts und sehen westlich von uns eine Waldwiese liegen. So könnte es bei Schneewittchen und den sieben Zwergen gewesen sein. Aber das Häuschen der Wichte fehlt auch heute noch.

Kurz darauf betreten wir über eine kleine Böschung den Weg, der serpentinenartig um den Erlingsberg herum führt und sehen vor uns den Sängerplatz in seiner ganzen Schönheit liegen. Hier können wir uns niederlassen und zum ersten Mal unsere Brote und Getränke auspacken. Unter dem Blätterdach verweilen wir und lassen unseren Blick ins Tal schweifen.

Vor uns tut sich ein eindrucksvolles Bild auf. Im Tal liegt im Sonnenschein, eingebettet in seine Berge, mein Heimatdorf Niederjossa, umrahmt mit sauber bestellten Feldern mit Raps und Getreide. Dazwischen gepflegte Wiesen und Weiden mit üppig grünenden Bäumen. Hier weiden glücklich Kühe, Rinder und Schafe. Alles noch in einem kleinbäuerlichen Milieu, so, wie es schon immer hier war.

Auto- und Schnellbahn

Im Westen, verdeckt durch die Bäume, befinden sich Herzberg und Rimberg. Aber dafür sehen wir im Osten den großen Bogen, der die Autobahn Rhönlinie und die Schnellbahn der Deutschen Bahn über das Fuldatal macht. Weiter können wir unseren Blick schweifen lassen über Niederaula nach Mengshausen, Beiershausen und Kerspenhausen, um bei guter Sicht auch noch die Hochhäuser des Johannesberges in Bad Hersfeld zu sehen. Eine Landschaft zum Träumen und genießen!

Ein Lied kommt mir in den Sinn:

„Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte,

die du geschaffen durch dein Allmachtswort,

wenn ich auf alle jene Wesen achte, die du

regierst und nährest fort und fort.

Dann jauchzt mein Herz dir großer Herrscher zu:

Wie groß bist du! Wie groß bist du.“

Hier auf dem Sängerplatz werden im Sommer Gottesdienste gefeiert und die Vereine unseres Dorfes können ihn für Feierlichkeiten nutzen.

Wir packen unsere Brote wieder ein und gehen den Weg weiter in südlicher Richtung hinauf. Bald kommen wir ans „Dreiländereck“. Hier endet die Gemarkung Niederjossa und auch der Kreis Hersfeld-Rotenburg. Auf dem Plateau des Erlingsberges gehen wir weiter in umgekehrter Richtung und blicken nach Unterwegfurt und in einen Teil des Schlitzerlandes. Vor uns liegt im Fuldatal der Vogelsbergkreis. Wieder ist uns ein schöner Rundumblick vergönnt. Hier machen wir noch einmal Rast und genießen die Schönheit unserer Heimat.

Glücklich und zufrieden machen wir uns auf den Rückweg.

Ein Lied beim Abstieg

Ein Lied begleitet uns beim Abstieg: „Wenn die goldene Abendsonne letztes Licht ins Tal verstreut, wünschen wir uns schon für morgen einen Wandertag wie heut.“

Ich wünsche unserer Hersfelder Zeitung zu ihrem 250. Geburtstag nur das Allerbeste und wünsche mir, dass sie uns im Lokalteil immer gut vertritt.

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