Finanzkrise macht Kreditbeschaffung schwerer

Landrat warnt vor steigenden Zinsen

Landrat Karl-Ernst Schmidt

Hersfeld-Rotenburg. Die internationale Schuldenkrise zwingt Banken, bei der Kreditvergabe vorsichtiger zu sein. Das beginnt sich auch auf Kommunen auszuwirken, die bislang gern gesehene Kreditnehmer waren. Der Stadt Schwerte in Nordrhein-Westfalen hat die West LB nun erstmals die Verlängerung eines Kredits verweigert. In unserem Kreis gibt es nach Auskunft von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt derzeit aber noch keine Kreditklemme.

50-Millionen-Test

Dennoch könnte es schwieriger werden, an Geld zu kommen. Die Stadt Kassel etwa, die derzeit mit 672 Millionen Euro in der Kreide steht, sieht Kämmerer Dr. Jürgen Barthel aktuell zwar nicht in Gefahr, in eine Kreditklemme zu geraten. Kürzlich habe die Kämmerei einen Test gemacht und um Angebote für einen 50-Millionen-Euro-Kredit gebeten. Ergebnis: „Wir sind in der Lage, uns große Beträge am Markt zu beschaffen.“ Allerdings sei die Zahl der eingehenden Angebote geringer geworden.

Durch die geplante Verordnung „Basel III“ , die unter anderem eine Erhöhung der Eigentkapitalquote vorsieht, könnte künftig für Banken das Geschäft mit Kommunen unattraktiver werden, befürchtet Stadtkämmerer Barthel. Das könne sich in schlechteren Konditionen für Kommunen niederschlagen, die derzeit besonders günstige Zinsen bekommen.

Der Kreis Hersfeld-Rotenburg hingen profitiert derzeit davon, dass fast ausschließlich zinsgünstige Kredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und aus dem Hessischen Investitionsfonds in Anspruch genommen werden, so dass die Aufnahme von kostenintensiveren Darlehen auf dem Kreditmarkt in den vergangenen Jahren entbehrlich wurde. „Ein deutlich höheres Risiko sehe ich jedoch bei den Kassenkrediten, die aufgrund der Fehlbeträge in den vergangenen Jahren ständig erhöht werden mussten, um die Liquidität für die laufenden Verwaltungsgeschäfte sicherstellen zu können“, erklärt Landrat Schmidt.

Das Zinsniveau sei in diesem Bereich zwar noch immer auf einem historischen Tiefstand. Ein in den nächsten Jahren zu erwartender Zinsanstieg würde jedoch zwangsläufig zu höheren Aufwendungen und somit einer zusätzlichen Einschränkung der finanziellen Handlungsfähigkeit, warnt Schmidt. (red/kai/kru)

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