Neue Trassen geplant – Geballter Unmut in der Lokalpolitik

Der Landkreis wird zum Stromdrehkreuz

Hersfeld-Rotenburg. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg und speziell die Gemeinde Ludwigsau werden in den nächsten Jahren eine zentrale Rolle bei der Stromversorgung der Bundesrepublik spielen. Von einem „Stromdrehkreuz Mecklar“ spricht der für Netzentwicklung zuständige Abteilungsleiter bei der Bundesnetzagentur Dr. Markus Doll. Neben den bereits bestehenden Stromtrassen seien noch mehrere neue Stromautobahnen geplant, die alle den Kreis tangieren werden.

Doll erläuterte Bürgermeistern und Kreistagspolitikern auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich die Pläne zum Netzausbau im Kreisgebiet. Dabei wurde er mit dem geballten Unmut der Lokalpolitiker über schlechte Informationspolitik und fehlende Bürgerbeteiligung konfrontiert.

Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer, der auch Sprecher einer Initiative gegen die geplante Südlink-Trasse ist, erklärte, dass die kleinen Gemeindeverwaltungen mit den oft sehr kurzfristigen Planverfahren überfordert seien.

Schärfer noch die Krirtik von Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann: „Keiner fragt nach den Bürgern, oder wer wo wohnt.“ Die Belastung des Landkreises durch Stromtrassen, aber auch durch Autobahnen, Schienenwege und weitere Leitungen sei inzwischen so hoch, „dass man hier bald nicht mehr leben kann.“

Helmut Heiderich, der ein erklärter Gegner der Umsetzung der Energiewende ist, verglich die Situation mit früheren Zeiten: „Die Fürsten regieren, und die Untertanen müssen mit den Hacken knallen.“ Selbst Bundestagsabgeordnete würden an den Entscheidungen nicht beteiligt. Er forderte ein neues „Planungsrecht auf Augenhöhe“, das den Bürgern mehr Einfluss gibt.

Markus Doll zeigte Verständnis für die Kritik, verwies aber auch auf geltende Gesetze. Und ohne neue Stromtrassen werde die Energiewende scheitern. Zum TAge, Hintergrund, Seite 2

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