Landesväter, Windkraftgegner und Osterhasen

Kai A.

Der Besuch von Ministerpräsident Volker Bouffier war zweifellos der Höhepunkt der vergangenen Woche. Ganz landesväterlich nahm er sich viel Zeit für die Sorgen und Nöte seiner Bürger. Fast drei Stunden dauerte seine Sprechstunde – so lange, wie noch nie zuvor. Das lag aber vielleicht auch daran, dass Bouffier mit seiner angenehm-brummigen Stimme und vielen wohlgesetzten Worten den Volkszorn zu besänftigen suchte.

Gerade die Windkraft-Gegner machen derzeit überall mobil und Bouffier steckt in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite ergreift sein grüner Koalitionspartner eindeutig Partei für die Windkraftfirmen, anderseits schraubt die große Koalition in Berlin an den Gesetzesvorgaben. Eine Gratwanderung auch für Polit-Profis wie Bouffier, die ihm aber in Bad Hersfeld offenbar gut gelungen ist, denn alle fühlen sich ernstgenommen und verstanden von ihrem Landesvater.

Bouffier kann aber auch anders: Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigte er den niedersächsischen Nachbarn schon mal die Folterwerkzeuge. Wenn die nämlich ihre Blockadehaltung in Sachen Laugen-Pipeline beibehalten, dann könnte Bouffier ihnen den Geld-Hahn zudrehen. Stichwort: Länderfinanzausgleich. Die Kumpel im Revier werden Bouffiers klares Bekenntnis zur Kali-Industrie jedenfalls gern gehört haben – ihn aber sicher auch an seine Worte erinnern, falls es irgendwann eng wird.

Eng ist es schon lange in der Verwaltung der Marktgemeinde Haunetal. Bürgermeister Euler hat sich gerade weiter krank gemeldet, nachdem er unlängst noch seine grundsätzliche Arbeitsbereitsschaft signalisiert hatte. Das freilich war wohl ohnehin nur ein juristischer Schachzug, denn alles andere wäre ja Arbeitsverweigerung.

Nun allerdings droht der Gemeinde ein weiterer Aderlass: Der tüchtige Hauptsamtsleiter, der bisher für die Kasse zuständig war, will gehen. Ein genauer Termin ist zwar noch offen, doch sicher ist schon jetzt, dass die Gemeinde weiter geschwächt wird. Es ist höchste Zeit, dass sich dort alle politischen Kräfte zusammenraufen, um eine Lösung zu finden. Ein gemeinsamer neuer Kandidat fürs Rathaus wäre ideal...

Na ja, man wird ja wohl in dieser Zeit noch an den Osterhasen glauben dürfen.

Kommentare