Jäger erwarten kaum Einschränkungen durch neues Gesetz

Landbesitzer müssen Jagd nicht mehr dulden

Hersfeld-Rotenburg. Eigentümer von Wäldern und Äckern müssen künftig keine Jagd mehr auf ihren Flächen dulden, wenn sie ethische Bedenken dagegen haben. Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, den das Bundeskabinett verabschiedet hat. Die Jäger in der Region sehen der Neuerung gelassen entgegen.

Mit dem Entwurf folgt der Gesetzgeber einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, nach dem die Jagdpflicht eine unverhältnismäßige Belastung des Eigentums darstelle. Bisher waren die Besitzer von Grundstücken unter 75 Hektar zwangsläufig Mitglieder in einer Jagdgenossenschaft. Auf Antrag der Eigentümer kann die Jagdbehörde des jeweiligen Bundeslandes die Flächen künftig zum befriedeten Bezirk erklären. Dann dürfte dort nicht mehr geschossen werden. Allerdings sind daran strenge Bedingungen geknüpft (siehe Hintergrund).

Die Regelung sei für Jäger in der Region akzeptabel, sagt der Vorsitzende der Jägervereinigung Rotenburg, Wolfgang Adam aus Alheim-Niedergude. Einzelne befriedete Flächen seien in der Praxis jedoch schwierig zu handhaben, gibt Adam zu bedenken. Deshalb seien aus seiner Sicht klare Vorgaben notwendig, was etwa Wildschäden auf angrenzenden Feldern oder die Nachsuche und das Erlegen verletzter Tiere angehe.

Diesen Argumenten schließt sich auch der Vorsitzende des Kreisjagdvereins Hersfeld, Wilfried Marchewka, an. Klärungsbedarf sieht er auch bei der Frage, wem auf diesen Grundstücken verendetes Wild gehört oder bei verpachteten Flächen, etwa auf größeren Feldern.

Dass viele Grundstücksbesitzer die Neuregelung in Anspruch nehmen, erwarten die Waidmänner indes nicht: „Landwirte und Waldbesitzer haben in der Regel kein Interesse an befriedeten Grundstücken, sie fordern uns wegen der Wildschäden eher zu einer stärkeren Bejagung auf“, sagt Wilfried Marchewka. Zum Tage, Hintergrund, Seite 2

Von Jan-Christoph Eisenberg

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