Der Äthiopier Mesfin Abrahe Gezahegne ist als Asylbewerber nach Deutschland gekommen

Im Land der vielen Briefe

Warm eingepackt trotzt Mesfin Abrahe Gezahegne dem Winter. An die Kälte in Deutschland musste er sich gewöhnen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. In seinem Heimatland Äthiopien hat Mesfin Abrahe Gezahegne als Journalist gearbeitet. Für eine Agentur und beim Radio. Doch mit der Pressefreiheit sei es nicht weit her gewesen. Und irgendwann wollte er nur noch weg, „egal wohin“.

Im Mai 2009 landete der Äthiopier in Frankfurt, ganz allein, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Bekannte oder Verwandte habe er dort nicht gehabt, vorbereitet worden sei die Reise von jemand anderem. Über die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen kam der heute 35-Jährige aus der Hauptstadt Addis Abeba dann nach Bad Hersfeld.

Dankbar für die Chance

Vor rund zwei Monaten, also fast drei Jahre später, wurde sein Asylantrag positiv beschieden. Noch lebt er in der Gemeinschaftsunterkunft. Doch das soll sich bald ändern. Er hofft außerdem, noch einmal studieren, in seinem gelernten Job oder vielleicht als Dolmetscher arbeiten zu können.

Die deutsche Sprache hat der Asylbewerber Tag für Tag in Intensivkursen gelernt, und für dieses Angebot, beziehungsweise diese Chance ist er dankbar. Das Warten auf die Entscheidung über seinen Asylantrag sei sehr schwierig gewesen. „Man fragt sich jeden Tag, was ist, wenn morgen die Ablehnung kommt?“

Gewöhnen musste Mesfin Abrahe Gezahegne sich in Deutschland an die Kälte, den ersten Schnee und an das viele Papier. „Briefe, immer nur Briefe“, sagt er lachend und meint die Briefe, die er im Laufe seines Asylverfahrens von Ämtern und Institutionen bekommen hat und die er am Anfang nicht mal lesen konnte. In Äthiopien habe er höchstens einmal im Jahr Post bekommen. Außerdem gebe es so viele Regeln und Gesetze, dass man sie kaum überblicken könne. Aber: Das sei auch gut so.

Zwei Fächer studiert

In seiner Heimat hat Mesfin Abrahe Gezahegne Jura und Journalistik studiert, in Bad Hersfeld hat er zwischenzeitlich als Lagerhelfer gearbeitet. Ehrenamtlich arbeitet der gebürtige Äthiopier für zwei äthiopische Magazine, die in äthiopisch und englisch erscheinen und sich an Äthiopier in Deutschland richten. Der 35-Jährige zeigt auf ein Editorial und ein Interview, das er geschrieben hat. Auch das sei ein Unterschied zu seiner afrikanischen Heimat: Hier könne sich jeder Zeitungen oder Bücher leisten, in Äthiopien sei das den einfachen Leuten nicht möglich.

Bereut habe er seine „Flucht“ noch nicht, sagt der 35-Jährige. „Ich wollte meine Freiheit haben.“ Doch dafür musste er auch auf Vieles verzichten. Zum Beispiel auf den alten Job – und seine Ehefrau, die er damals in Äthiopien zurück gelassen hat und zu der er seit drei Jahren nur per E-Mail oder Telefon Kontakt hat.

Von Nadine Maaz

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