Die Schülerin Vanessa Scholz aus Bad Hersfeld verbrachte ein Jahr in Argentinien

Im Land der Carnivoren

Ich glaub’, mich knutscht ein Lama: Vanessa Scholz traf auch die tierischen Argentinier.

Bad Hersfeld. Es ist nicht immer einfach, aus einem Land zu kommen, dessen Fußballmannschaft ziemlich erfolgreich ist. Auch Vanessa Scholz aus Bad Hersfeld hat sich lieber eine Woche als Schwedin ausgegeben, als Jogis Jungs die argentinische Nationalmannschaft mit einem niederschmetternden Ergebnis vom Platz fegten.

Schließlich musste sie sich mit den Maradona-Anhängern noch eine Weile gut verstehen, denn die 17-Jährige verbrachte ein ganzes Jahr in deren Heimat Argentinien, in der Stadt Catamarca im Nordwesten des Landes.

Genau wie etwa 8000 andere Jugendliche aus aller Welt nahm sie an einem Austauschprogramm von Rotary International teil und ließ Freunde und Familie in Deutschland zurück, um ein neues Land, eine neue Kultur und neue Freunde kennenzulernen.

„Meine älteren Brüder waren ebenfalls beide für ein Jahr im Ausland, deshalb stand für mich schon früh fest, dass ich das auch machen will“, erzählt die Schülerin, die zur Zeit die zwölfte Klasse am Obersberg besucht. In welches Land sie entsandt werden würde, konnte sie sich nur bedingt aussuchen. „Am liebsten wäre ich nach Australien geflogen“, erinnert sich Vanessa. „Im Nachhinein bin ich aber froh, dass es doch Argentinien geworden ist.“ Vor Ort kommen die Jugendlichen in Gastfamilien unter. „Ich hab gleich einen Glückstreffer gelandet, meine erste Familie in Catamarca war einfach super“, berichtet Vanessa strahlend. „Das war ein echter Frauenhaushalt und ich bin total herzlich aufgenommen worden.“

Auch mit ihren neuen Klassenkameraden verstand sich die 17-Jährige sofort. „Die argentinischen Schulen kann man aber überhaupt nicht mit den deutschen vergleichen“, meint sie und grinst. „Es gab andauernd Streiks, manchmal hatten wir nur an zwei Tagen in der Woche Unterricht.“

Tanzfreudiges Völkchen

So blieb ihr viel Freizeit, um neue Hobbys auszutesten. „Ich hab angefangen, zu argentinischer Volksmusik zu tanzen“, berichtet Vanessa. „Immer, wenn auf irgendeiner Veranstaltung Volksmusik gespielt wird, fangen alle sofort an zu tanzen, daher war es ganz praktisch, dass ich das dann auch konnte.“

Zwei große Reisen hat sie während ihres Aufenthalts in Argentinien unternommen. „Einmal waren wir im Süden des Landes, da haben wir zum Beispiel den Gletscher Perito Moreno besichtigt. Beim zweiten Mal waren wir dann im Norden und sind bis zu den Iguazu-Wasserfällen gefahren, das war ein tolles Erlebnis.“

Vermisst habe sie ihr Heimatland nur ganz selten. „Weihnachten ohne die Familie zu feiern, ist natürlich etwas komisch“, meint Vanessa. „Aber ansonsten habe ich einfach so viel erlebt, dass ich gar keine Zeit hatte, Deutschland zu vermissen.“

Lediglich die Essgewohnheiten des Landes findet sie etwas gewöhnungsbedürftig. „Ich glaube, ich habe während meines Aufenthaltes hauptsächlich Fleisch gegessen. Argentinier grillen wirklich ganze Berge davon“, berichtet sie. „Als Vegetarier hat man dann natürlich ziemlich schlechte Karten.“

Empfehlen kann die 17-Jährige einen Auslandsaufenthalt aber auf jeden Fall. „Diese Reise hat meinen Horizont erweitert, man wird viel offener und selbstständiger.“ Ihr nächster Argentinienbesuch ist schon geplant. „Im nächsten Sommer will ich auf jeden Fall wieder hin, um meine Freunde wiederzusehen“, erzählt sie. „Darauf freue ich mich jetzt schon.“

Von Hannah Becker

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