Lampenfieber, Genugtuung und ein Trauerspiel

Moni Liegmann hat Lampenfieber. Die quirlige und liebenswerte Sprecherin von Intendant Dieter Wedel überholte sich beim Reden fast selbst, als sie mir gestern telefonisch die Pläne für den offiziellen Probenbeginn am kommenden Montag vorstellte. Jetzt sind wirklich die Stars in der Stadt und mit ihnen Journalisten und Fernsehteams aus ganz Deutschland. Die mediale Aufmerksamkeit ist unseren Festspielen also sicher und Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk.

Vielleicht registrieren die Kollegen der überregionalen Medien auch, dass Ex-Intendant Holk Freytag im Haupt- und Finanzausschuss voll rehabilitiert wurde. Er hat nicht mehr Geld ausgegeben als er durfte, wie ihm vorgeworfen wurde. Das zeigt auch, dass die breite Kritik an der Art und Weise der Intendanten-Entlassung berechtigt war.

Für Holk Freytag dürfte das eine berechtigte Genugtuung sein. Aber jetzt ist nicht die Zeit nachzukarten, es gilt nach vorn zu blicken. Dieter Wedel trägt ohnehin keine Schuld an den Querelen des vergangenen Jahres. Er bringt den nötigen frischen Wind in die Ruine und die erhofften großen Namen in die Stadt. Deshalb: Herzlich willkommen in Bad Hersfeld, liebe Festspieler! Wir freuen uns, dass es jetzt los geht. Ich bin auch schon ganz aufgeregt!

Aufgeregt, aber nicht erfreut, habe ich mich auch mal wieder über Heringen. Was in dieser Stadt los ist, passt auf keine Kali-Halde. Mir brummt immer noch der Kopf nach der über dreistündigen Anhörung zu den Kanalbauprojekten, die Kritiker für überdimensioniert halten. Dabei machten die Experten überzeugend deutlich, dass dort nur gemacht wird, was dringend nötig ist. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur die Leiterin der Kommunalaufsicht, sondern auch die Fraktionschefs diese Einschätzung nach der Mammut-Sitzung teilten. Aber nix da! SPD, CDU und UL wollen nun weitere Erklärungen zu den Kosten der Kanalbauarbeiten.

Hallo, geht’s denn noch? Vielleicht sollten die Herren und Damen Stadtverordneten ein Ingenieursstudium machen und ihre Gräben selber schippen, wenn sie allen Experten-Erklärungen nicht glauben wollen.

Natürlich trägt auch Bürgermeister Hans Ries ein gehöriges Maß an Mitschuld an dem Streit. Obwohl er offenbar rein rechtlich richtig liegt und bislang all seine Vorhaben den häufigen Überprüfungen standgehalten haben, gießt er ständig neues Öl ins Feuer. Zuletzt mit einem Foto, das ihn beim Skatspielen und Biertrinken in einem „Luxusschacht“ (Bild links) zeigt. Eigentlich ist das ganz lustig, wenn es nicht so ein Trauerspiel wäre in Heringen.

Immerhin gibts auch erfreuliche Nachrichten. Heute werden das neue Buchcafé, das Hotel am Neumarkt und der Lutherweg eingeweiht. Wichtige Projekte für unsere Region. Es geht also doch voran, wenn alle an einem Strang ziehen!

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