K+S meint: Wer zu wenig Salz hat, hätte mehr ordern sollen

Die Lage verschärft sich

Räumen geht noch, streuen wird schwierig: Schneepflug gestern im Einsatz im Bad Hersfelder Wohngebiet am Finkenweg. Foto: Struthoff

Kassel/Bad Hersfeld. Das Volk schreit nach Salz, doch K + S kann nicht liefern. Das sei kein Versäumnis seiner Firma, sondern liege daran, dass Abnehmer sich nicht genügend bevorratet hätten, stellte gestern K + S- Unternehmenssprecher Ulrich Göbel gegenüber unserer Zeitung klar. Zwar sei K+S der größte Produzent des Streusalzes im Land, die Vertriebstochter dsd habe aber keineswegs eine marktbeherrschende Stellung, wenngleich man ein bedeutender Lieferant sei.

Noch lange, bevor die erste Flocke gefallen sei, hätten alle Abnehmer Gelegenheit gehabt, sich günstig einzudecken. Nach wie vor seien klare Kontrakte gültig und K+S pokere nicht, um eine „schnelle Mark“ mit dem Bedürfnis nach öffentlicher Sicherheit zu machen. „Unsere Preise explodieren nicht“, versichert Ulrich Göbel.

Dass sich die Lage an der Salzfront verschärft, rühre auch aus logistischen Abläufen, den K+S verkauft seine Ware frei Hof.

Nicht immer stünden genügend Lkw zur Verfügung. Speziell der Einsatz von Tankzügen zur Beschickung der Hochsilos dauere beim Be- und Entladen deutlich länger. So erklärt Göbel die Warteschlangen vor der Beladung in Hattorf.

Allerdings hätten bei der Belieferung Autobahnämter und Straßenmeistereien vertraglich geregelten Vorrang. Erst nachrangig würden Städte und Gemeinden, Baumärkte und kleine Abnehmer bedient. Das hat für Kommunen, die vom Winter überrascht wurden, mehr oder weniger unangenehme Konsequenzen.

Noch 25 Tonnen

In Ludwigsau hält Bürgermeister Thomas Baumann den Ball flach. „Der Winter darf nur nicht länger dauern“, sagt Baumann. In der kleinen Salzhalle in Gerterode lagern noch 25 Tonnen. Das reicht rechnerisch noch acht Tage für einen Streuumlauf an kritischen Punkten. Baumann bezeichnet die Lieferstrukturen als monopolistisch, fühlt sich aber von dsd gut bedient. Die Gemeinde kaufte für 9 000 Euro Salz zum Preis von 78 Euro je Tonne. „Kein Grund, cholerisch zu werden.“ Viel mehr ärgert es Baumann, dass die kommunalen Streusalzkisten mit unschöner Regelmäßigkeit geplündert werden. Sie werden so schnell ausgeräumt, dass sie nicht mehr befüllt werden dürfen.

Keine Antwort

In Bebra ist man seit Wochen am Improvisieren. „Auf Liefer-Anfragen haben wir vom Deutschen Straßendienst (dsd) schon gar keine Antworten mehr bekommen“, sagt Bebras Bürgermeister Horst Groß. Ein Termin für eine nächstmögliche Lieferung sei der Stadt Bebra daher gar nicht bekannt. Nur das Nötigste werde noch gestreut. Die Stadt hat für die Versorgung sogar gesalzene Preise in Kauf genommen: 150 Euro pro Tonne habe die letzte Lieferung gekostet. Die kam aber nicht von K+S.

Von Kurt Hornickel und Peter Gottbehüt

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