Menschen in der Eichhofsiedlung hoffen auf weitere Kunden oder Unterstützer

Das Lädchen ist in Gefahr

Das Lädchen für alles in der Eichhofsiedlung wird von vielen Menschen geschätzt, macht aber nicht genug Umsatz. Rechts im Anbau ist ein kleines Café untergebracht.

Bad Hersfeld. Laurin, Fabio und Gleb sind mit großem Ernst bei der Sache. Einer von ihnen schleppt den Einkaufskorb durch das „Lädchen für alles“, die anderen suchen Saft und Knabberzeug aus den Regalen. Die drei Jungs aus dem Kindergarten in der Eichhofsiedlung kaufen mit ihrer Erzieherin Silvia Haas für den Elternabend ein. Sie finden es toll, dass es einen kleinen Laden direkt in der Nachbarschaft gibt. Einkaufen gehen gehört gerade bei den angehenden Schulkindern zum Programm, um sie fit fürs tägliche Leben zu machen, erläutert Silvia Haas.

Pfarrerin Susanne Leinweber gehört ebenfalls zu den regelmäßigen Kunden des Lädchens. Sie schätzt nicht nur das übersichtliche, aber dennoch umfassende Angebot, sondern vor allem auch, dass sie im Lädchen immer jemanden trifft und bei einer Tasse Kaffee in Kontakt mit ihren Gemeindegliedern bleibt.

Auch viele Eichhöfer schätzen das Angebot, das im Dezember 2012 als gemeinsames Projekt der Firma tegut, der Brücke und der Siedlungsgenossenschaft Eichhof ins Leben gerufen wurde. Der Seniorenkreis trifft sich im kleinen Café regelmäßig auf eine Tasse Kaffee oder ein Gläschen Sekt, ältere Bewohner freuen sich, ihre Einkäufe vor Ort erledigen und dabei ein Schwätzchen halten zu können und für die seelisch behinderten Menschen, die von der Brücke betreut werden, ist es ein attraktiver und sinnvoller Arbeitsplatz, der ihnen die allmähliche Wiedereingliederung ins Arbeitsleben erleichtert.

Eigentlich stimmt also alles in dem kleinen Lädchen – nur die Kasse nicht. Das Lädchen müsste einen täglichen Umsatz von 1500 Euro machen, um kostendeckend zu arbeiten, und dieser Umsatz wird nicht erreicht, erläutert Erwin Binkofski, der Geschäftsführer der Brücke. Und weil die soziale Einrichtung es sich nicht leisten kann, auf Dauer Minus zu machen, ist das Lädchen jetzt in Gefahr. „Ende Oktober ist Schluss, wenn wir nicht ein positives Signal bekommen“, bedauert Binkofski. So ein Signal könnte zum Beispiel eine deutliche Umsatzsteigerung sein. 20 bis 30 Kunden mehr, die pro Woche für etwa 25 Euro einkaufen, würden schon helfen, sagt Binkofski.

Sponsor willkommen

Willkommen wäre auch ein Sponsor, der zum Beispiel die Energiekosten von 400 Euro im Monat übernimmt, oder ein Zuschuss seitens der Stadt.

Wie wichtig das Lädchen für die Eichhofsiedlung ist, betont auch Ortsvorsteherin Gisela Groß: „Die Infrastruktur hat hier ohnehin schon sehr gelitten. Wenn wir keinen Laden mehr haben, dann sinkt der Wohnwert und damit auch der Wert der Immobilien“, gibt sie zu bedenken und appelliert an alle Eichhöfer, zumindest einen Teil ihrer Einkäufe in dem Lädchen zu erledigen, dessen Preise denen in großen tegut-Märkten entsprechen. „Das Lädchen ist eine ganz große Chance für alle und wichtig für die Gemeinschaft am Eichhof“, sagt Pfarrerin Leinweber. „Man muss im Gespräch bleiben und dafür braucht man einen Ort, wo man sich trifft.“

Auch Bruno Willhardt vom Vorstand der Siedlungsgenossenschaft Eichhof hofft nun auf die Solidarität der Eichhöfer. Denn wenn dieser Laden schließen muss, wird es keinen mehr in der Siedlung geben, weiß er. Zudem müsste die Genossenschaft einen Verlust von etwa 70 000 Euro verkraften, denn so viel Geld hat sie investiert, um das Lädchen herzurichten. Hintergrund

Von Christine Zacharias

Kommentare