Kreissynode: Podiumsdiskussion über Flüchtlinge – 10 000 Euro für Hilfsprojekte

„Lächelt die Leute an!“

Jeder kann etwas zur Verbesserung der Situation der Flüchtlinge beitragen: Fachdienstleiter Frank Hildebrand, Flüchtlingsberaterin Gundula Pohl, Pfarrerin Melanie Hetzer und der Gershäuser „Unruheständler“ Hans Fink (von links) diskutierten beim Frühjahrstreffen der Synodalen des evangelischen Kirchenkreises Hersfeld über die Situation der Flüchtlinge im Kreis. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Schaustellerpfarrer Volker Drewes spricht von einem der sieben Werke der Barmherzigkeit und stellt fest, dass jeder Christ etwas dazu beitragen kann, dass nach Deutschland kommende Flüchtlinge gut aufgenommen werden. „Sie sind keine Objekte, sondern Subjekte!“ betont der stellvertretende Präses der Kreissynode, als er beim Frühjahrstreffen des Gremiums die Podiumsdiskussion zum Thema „Flüchtlinge in unseren Gemeinden“ anmoderiert und danach fragt, was jeder Einzelne, was jede Kirchengemeinde, was der Kirchenkreis tut und tun könnte.

Die Kirchheimer Pfarrerin Melanie Hetzer berichtet von der Situation in der Autobahngemeinde, wo über 100 dem Landkreis zugeordnete Asylsuchende in einem Übergangswohnheim und weitere 300 Personen in einem Hotel, das als Außenstelle des Erstaufnahmelagers Gießen dient, untergebracht sind. Sie erzählt vom „Café Grenzenlos“, in dem sich Familien mit bis zu vier Jahre alten Kindern begegnen können, und sie verweist darauf, wie wichtig Kontakte sind. Eine Frau habe ihr gesagt: „Was bringt mir ein Deutsch-Kurs, wenn keiner mit mir redet!“

Gundula Pohl von der Flüchtlingsberatungsstelle des Zweckverbandes Diakonie problematisiert die unterschiedlich langen Wartezeiten, mit denen die in vielfacher Hinsicht traumatisierten Flüchtlinge zurechtkommen müssen: „Sie stehen unter Druck, und deshalb ist es verständlich, dass sie eine Perspektive haben und heimisch werden möchten!“

Großes Engagement

Frank Hildebrand vom Fachdienst Migration des Landkreises lobt die sehr gute Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsberatungsstelle und das große Engagement ehrenamtlich tätiger Menschen, für die Antonia Rösner (Telefon 06621/873528) als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht: „Es ist überwältigend, wie viele Leute helfen wollen!“ Darüber hinaus skizziert er das Leitbild des Landkreises, der in diesem Frühjahr 73 Prozent mehr Flüchtlinge aufnehmen muss als 2013, und den Ablauf des Zuweisungsverfahrens.

Hans Fink aus Gershausen schildert seine ganz persönlichen Erlebnisse – wie er Wanderungen, Volleyball-Spiele und alte Fahrräder, aber auch Praktikumsplätze organisiert hat : „Wenn wir Christen sein wollen, müssen wir unseren verfolgten Mitchristen aus Eritrea, aber auch allen anderen verfolgten Menschen entgegenkommen und uns gegen Sprüche wie „Die kosten nur unser Geld!“ wehren!“ Gefragt sei Mitmenschlichkeit: „Lächelt die Leute an, gebt ihnen eine Chance, begleitet sie bei Arztbesuchen, helft den Kindern bei den Hausaufgaben!“

Im Verlauf der Diskussion wird deutlich, dass sich insbesondere Kirchenvorstände gegen Vorurteile wenden und in ihren Gemeinden Begegnungen initiieren könnten – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Direktorin der Konrad-Duden-Schule, Susanne Hofmann, den Synodalen in berührender Weise davon berichtet, dass sie von einem Vater gefragt worden sei: „Wie geht bei Euch das Miteinander? Gibt es dafür ein Buch?“

Von Wilfried Apel

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