Pfeife um Pfeife wird die neue Orgel in der Stadtkirche aufgebaut

Die Laden liegen schon

Er hält eine der 3022 Pfeifen in der Hand, die zusammengesetzt die neue Orgel in der Stadtkirche ergeben: Orgelbauer Ralph Trompler mit einer Holzpfeife, im Hintergrund sein Team. Foto: Poppe

Bad Hersfeld. Wo normalerweise Orgelmusik den Raum erfüllt, um den Gesang der Gottesdienstbesucher zu begleiten und ansonsten andächtige Stille herrscht, sind momentan Bohr- und Sägegeräusche zu hören: Das Innere der Stadtkirche gleicht einer Baustelle seit die Mitarbeiter der Firma Eule aus Bautzen Anfang Juni mit dem Aufbau der neuen Orgel begonnen haben.

„Wir haben unsere Werkstatt mit hierher gebracht“, scherzt Montageleiter Ralph Trompler und zeigt auf das silberne Gerüst, das gleich hinter dem Eingang der Kirche angebracht ist, damit das große Instrument an seinen neuen Platz gelangen kann.

Über 3000 Pfeifen

3022 Pfeifen, die in 46 Register zusammengefasst sind, zählt die mechanische Schleifladenorgel. Diese Orgelart, bei deren Spielen der Musiker elektrisch unterstützt wird, erlebe momentan eine Renaissance, so Ralph Trompler. Mit einer Setzeranlage im Inneren der Orgel lassen sich die Register teilweise vorprogrammieren, so dass per Sequenzknopf die Pfeifen zum Klingen gebracht werden können.

Elektrische Hilfe erhält man als Spieler auch bei der Lufterzeugung: Die Windmaschine befindet sich in einem kleinen Raum hinter der Orgel und versorgt vier große Blasebälge mit Luft. Bis auf die Windmaschine und die Tasten des Manuals wird jedes Teil der Orgel in der Werkstatt der Firma in Bautzen hergestellt. 200 Stunden Arbeit müssen die Mitarbeiter zum Beispiel in pro Register einplanen. Deren Pfeifen bewegen sich in einem Längenspektrum von 3 Millimeter bis 4,90 Meter und bestehen entweder aus Holz oder aus Metall.

Wegen dieser unterschiedlichen Materialien, mit denen man sich auskennen muss, sollte ein Orgelbauer in erster Linie handwerkliches Geschick mitbringen, beschreibt Richard Masula die technischen Anforderungen in seinem Beruf. Zwar spiele er Klavier und Orgel, doch seien seine musikalischen Interessen eher zweitrangig, erklärt der 21-Jährige, der sogar schon eine Orgel in Russland aufgebaut hat.

Zusammen mit dem siebenköpfigen Team ist er seit Anfang Juni in Bad Hersfeld untergebracht, arbeitet von Montag bis Samstag am Aufbau und fährt jeden zweiten Sonntag in seine ostsächsische Heimat. Vor ein paar Tagen haben sie das Herzstück des Instrumentes aufgebaut: die Windladen, die die Ventile enthalten, mit denen später der Luftstrom zu den Pfeifen reguliert wird, sind nun montiert. „Das war ein echter Etappensieg“, sagt Stephan Kremtz. Doch so richtig freuen kann der 23-Jährige sich erst am letzten Aufbautag. „Bis es am 22. Juli soweit ist, haben wir allerdings noch eine Menge zu tun“, ergänzt Ralph Trompler.

Nach diesem Tag fängt die Arbeit für die Intonateure an, die jede Pfeife einzeln stimmen müssen, damit die Orgel am zweiten Advent offiziell eingeweiht werden kann.

Von Stefanie Poppe

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