Ministerpräsident Bouffier besucht auf Einladung der Hersfelder Zeitung das Lullusfest

Kurs halten auf Lolls

Schwarz-gelbe Fahrgemeinschaft: Miniserpräsident Volker Bouffier und Bürgermeister Thomas Fehling im 55 Meter hohen Sky Dance weit über den Dächern von Bad Hersfeld. Fotos: Ludger Konopka

Bad Hersfeld. Auf dem Rummelplatz geht es zu wie in einer guten Koalition. Es rummst und kracht, manchmal wird man auch ordentlich durchgeschüttelt. „Aber die Hautpsache ist: Wir halten Kurs“, lacht Ministerpräsident Volker Bouffier als er gemeinsam mit Thomas Fehling aus dem Autoscooter steigt. Die schwarz-gelbe Fahrgemeinschaft war von den jugendlichen Mitfahrern ziemlich oft angebufft worden. Besorgte Gesichter bei den Bodygards, der Ministerpräsident ist ohnehin leicht angeschlagen.

Den Schaustellern verbunden

Immer wieder putzt sich Volker Bouffier die Nase. „Mir ist heiß und kalt, aber ich habe mich so auf diesen Tag gefreut“, sagt Bouffier, der als erster Hessischer Ministerpräsident überhaupt auf Einladung der Hersfelder Zeitung das Lullusfest besucht. „Ich bin den hessischen Schaustellern eng verbunden“, erzählt Bouffier. In seiner Jugend habe er vor allem die moderne Musik auf den Rummelplätze gemocht, eine Leidenschaft die ihn bis heute nicht loslässt.

Fachsimpeln unter Rummel-Fans: Volker Bouffier im Gespräch mit Familie Reinhardt aus Friedlos.

Obwohl der „MP“ nicht in bester Kampfform ist, dreht er die große Lollsrunde. Begleitet wird er von Feuermeister Udo Roßbach, Mister Lolls Wilfried Roßbach, Schausteller-Sprecher Heiner Distel, Pfarrer Volker Drewes, HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm und vielen Neugierigen. Am Fierche erzählt der Feuermeister die alte Legende vom verlöschenden Feuer und der Rivalität mit Fulda. Bouffier lacht. „Wenn man in Hersfeld Punkte machen will, muss man sagen, wir ziehen etwas aus Fulda ab“, sagt er mit Anspielung auf den Streit um Schulamt, Gerichte und Arbeitsagentur. Dann wirft er eine Kastanie ins Feuer. Die erste Attacke des Tages ertönt.

Das Gedränge wird dichter. Passanten zücken die Kamera, Jugendliche rätseln „wer denn der Blonde da ist“. Andere lernen ihn kennen. Marlon und Emma zum Beispiel, achtjährige Zwillinge aus Friedlos, die mit Mutter Carina Reinhardt über den Markt bummeln. „Fahrt ihr auch so gern Autoscooter wie ich“, will Bouffier von den Kindern wissen. Der Rest versinkt im Lärm der dröhnenden Jahrmarktsmusik. Aber die mag Bouffier ja.

An der Lollswache nimmt sich der Ministerpräsident besonders viel Zeit. Klar, als ehemaliger Innenminister ist er den Beamten besonders verbunden. Polizeikommissar Jan Henkel ist ein Veteran der Lolls-Wache. „Bisher ist alles ruhig verlaufen, wir norden Unruhestifter rechtzeitig ein“, meldet er dem obersten Dienstherrn. Das Konzept greift.

Lollsempfang der Hersfelder Zeitung - Volker Bouffier zu Gast auf dem Lollsmarkt

Auch an der Rot-Kreuz-Station gegenüber ist es an diesem frühen Abend noch ruhig. „Wir hatten hier an manchen Lolls-Tagen schon über 50 Einsätze, aber in diesem Jahr ist bislang nicht so viel los“, erzählt Renate Tobias, die mit ihrer Kollegin Fabienne Fischer im ehrenamtlichen Einsatz ist. „So soll es bleiben“, wünscht Bouffier.

Höhenflüge auf Lolls

Inzwischen hat Bouffier eine ganze Packung Taschentücher verbraucht. Markus Pfromm sorgt immer wieder für Nachschub. Es fängt an zu nieseln. Aber der Ministerpräsident hat noch nicht genug. Er will hoch hinaus, ganz hoch, 55 Meter um genau zu sein. Der Sky-Dance, das Riesen-Kettenkarussell wirbelt durch den blau-schwarzen Abendhimmel. Jetzt muss der Koalitionspartner Fehling wieder mit ran.

In einer Gondel sausen die beiden durch die Luft. Mit zerzauster Tolle doch bester Laune landet Bouffier wieder auf Hersfelder Boden. „Ich fahre eigentlich alles“, erzählt er, „nur kopf-über mag ich nicht“. Aber das gilt wohl für alle Politiker.

Von Kai A. Struthoff

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