Bad Hersfelder Festspiele: Premierenpublikum feiert Musical „Kiss me, Kate“

Kunterbuntes Feuerwerk

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Zähmung der Widerspenstigen: Petruchio (Thomas Borchert) verpasst der kratzbürstigen Kate (Katharina Mehrling) auf offener Bühne eine Tracht Prügel. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Er hat es wieder getan. Mit seiner grandiosen Inszenierung von „Kiss me, Kate“ hat Stefan Huber den Bad Hersfelder Festspielen ein weiteres Glanzlicht aufgesetzt. Das restlos begeisterte Premierenpublikum feierte am Mittwochabend ein kunterbuntes Feuerwerk von wunderbaren Gesangsnummern, energiegeladenem Spiel und mitreißenden Choreographien. Vor zwei Jahren hatte der gefragte Musical-Regisseur mit „Anatevka“ in der Stiftsruine höchst erfolgreich debütiert.

„Kiss me, Kate 2014“ lebt in erster Linie vom funkensprühenden Beziehungsgeflecht der beiden Hauptfiguren Lilli Vanessi (Katharine Mehrling) und Fred Graham (Thomas Borchert). Sie die Kratzbürste, die hinter ihrer Wut ein liebebedürftiges Sensibelchen versteckt, er der großmäulige Egomane, der durch Überheblichkeit mangelnden Erfolg vergessen machen möchte. Beide Darsteller bauen ihre Figuren behutsam auf, um sich im Laufe des Abends stetig zu steigern: Beim Schlussapplaus ist man sich sicher, lange kein solch großartiges Paar erlebt zu haben.

Üppiger als diesmal war Musical selten bei den Festspielen: Bühnenbild, Kostüme, Tanzszenen – all das gibt dem Auge ohne Unterlass zu tun, alles ist detailliert ausgearbeitet und sitzt perfekt. Huber gibt dem Affen zudem tüchtig Zucker: Er arbeitet mit Dialekten, Hersfeld-Witzen, unmissverständlichen Gesten und Griffen bis unter die Gürtellinie, und er lässt zu, dass beim Gesang mitunter die Persiflage Oberhand gewinnt.

Sonderbeifall

Gleichwohl versteht er es, der Überzeichnung dort die Grenze zu setzen, wo der Charakter spielerisch deutlich und entwickelt werden muss.

Aus dem qualitativ wie gewohnt bestens besetztem Ensemble ragt Marie-Anjes Lumpp als naiv-kesse Bianca heraus. Sonderbeifall gibt es auch für Eric-Lee Johnson und seine fulminante Vorstellung bei „Es ist viel zu heiß“. Nicht zu vergessen Thomas Schumann und Max Gertsch: Die beiden Ganoven sind bei ihnen in den besten Händen, und mit dem Ohrwurm „Schlag nach bei Shakespeare“ landen sie beim fröhlich gestimmten Publikum einen sicheren Erfolg.

Ein Wort zu Melissa King: Die Amerikanerin, die im vergangenen Jahr beim Hersfelder „Show Boat“ auch Regie führte, hat die Choreographie bei den Festspielen auf ein neues Niveau gehoben. So vielgestaltig, so einfallsreich, so virtuos sind die Bilder, wenn das Ensemble über die Bühne wirbelt.

Geradezu genial ist auch der Einfall von Stephan Prattes, die Bühne der als Stück im Stück gespielten Shakespeare-Aufführung als kleine Ruine der großen nachzuempfinden.

Last but not least die Musik: Es ist nach diesem Abend einfach nicht vorstellbar, dass statt des von Christoph Wohlleben schwungvoll geführten Orchesters eines Tages digitale Konserven aus den Boxen klingen könnten.

Von Karl Schönholtz

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