Rainer Hauer auf Einladung der Freunde der Stiftsruine im Buchcafé

Die hohe Kunst der Sprechkultur

Rainer Hauer fesselte die Zuhörer im Buchcafé mit unterhaltsamen Inhalten und ausdrucksstarker Sprechtechnik. Foto: Wiegand

Bad Hersfeld. Mit Wissenswertem und Unterhaltsamen aus seinem reichhaltigen Fundus jahrzehntelanger Bühnenerfahrung beglückte Dr. Rainer Hauer am Gründonnerstag-Abend die zahlreichen Zuhörer im Veranstaltungsraum des Buchcafés.

Der 1932 in Graz geborene Burgschauspieler und Hersfeldpreisträger entdeckte schon früh sein Interesse an der Schauspielerei, als er fünfjährig mit Kasperlepuppen Märchen für die Nachbarskinder inszenierte.

Nach dem Abitur folgte das Studium der Sprachwissenschaften, welches ihm mit „Quellen, Quellen, Quellen manch´ Qualen“ bereitete, und das er doch mit dreijähriger Arbeit an der Dissertation zu den Dramen Gerhart Hauptmanns erfolgreich abschloss.

Neue Form des Theaters

Parallel dazu nahm er bereits privaten Schauspielunterricht und erhielt sein erstes Engagement im Jahr 1955. Mitte der 60er Jahre beeinflusste ihn das Sprechstück Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“, eine radikal neue Form des Theaters.

In seiner Bochumer Zeit arbeitete Hauer sowohl mit Peter Zadek als auch mit Rainer Werner Fassbinder zusammen. Der Titel des Vortrags „Das ist ja so schön peinlich!“ geht zurück auf einen Ausruf Peter Zadeks: Für Hauer steht er sinnbildlich dafür, dass sich die Bewertungskriterien eines Intendanten oder Regisseurs nicht nur von der des Publikums, sondern auch von der aller beteiligten Schauspieler und Kollegen radikal unterscheiden können.

Hersfelder Erinnerungen

An seine Zeit auf der Festspielbühne als junger Schauspieler im Jahr 1962 und dann wieder von 1999 bis 2002 erinnert er sich unheimlich gern. Die Stiftsruine stellt für ihn die faszinierendste Spielstätte seiner Laufbahn dar, besonders da er mit seiner markanten Naturstimme – ohne Mikrofonanlage und aufwendige Technik – den Raum den Ruine erfüllen und bespielen konnte.

Alte Bekannte

Während des Vortrages freute sich Rainer Hauer, seinen Freund und gleichsam „das Hersfelder Festspiel- Urgestein“ Hans Jürgen Dietz im Publikum zu entdecken.

Der Vortrag Hauers war der Auftakt einer Reihe von kulturellen Veranstaltungen der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine e. V. zur Umrahmung ihres diesjährigen 65- jährigen Bestehens, als Gründungsverein der Bad Hersfelder Festspiele.

Von Torsten Wiegand

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