HZ-Portrait: Tobias Gipper und Matthias Sommer machen ihr Hobby zum Beruf

Kunst ohne Grenzen

Matthias Sommer („Matti“, links) und Tobias Gipper („Biba“) verzieren nicht nur Körper ganz individuell (oben re.), sondern auch Gebrauchsgegenstände wie etwa Kühlschränke (unten li.), Tiergehege (unten re.) und sogar Wohnungen. Foto: Pistor/Kl. Fotos: privat

Bad Hersfeld. „Die Welt muss bunter werden“ – diesem Credo verschrieben haben sich Tattookünstler Tobias Gipper („Biba“) und Piercer Matthias Sommer („Matti“). Anfang März ist das Team von Rotenburg nach Bad Hersfeld gezogen und hat in der Oberen Frauenstraße 4 ein Tattoo- und Piercinggeschäft eröffnet. „Wir sind aber kein typischer Tattooladen“, stellt Biba klar, denn die jungen Männer widmen sich nicht nur der Hautkunst.

Exotic Custom Connection

Unter dem Titel „Exotic Custom Connection“ arbeiten sie als Innendesigner, verschönern Garagentore, kreieren Schalthebel für Fahrzeuge und vieles mehr. „Auch eine Reptilienauffangstation in Sontra haben wir tiergerecht gestaltet,“ berichtet Biba. Die Materialien bearbeiten die Künstler selbst, wichtig ist ihnen hierbei, Kunst für den Alltag nutzbar zu machen.

Ihre Anfertigungen sind grundsätzlich Unikate. Das gilt sowohl für Raumdesign als auch für Tattoos: „Hautmalerei sollte zur Person passen. Standard-Motive ohne persönlichen Bezug lehnen wir ab“, erklären Matti und Biba. So bilden die beiden beispielsweise auch Berufe auf Körpern ab: Frisörinnen mit einem Fön auf der Wade oder Autolackierer mit ihrem liebsten Werkzeug.

Was heute selbstverständlich ist, begann für das Team jedoch mit vielen Hürden. Biba fing eine Glaserlehre an, in der Hoffnung, später Terrarien bauen zu können. „Ich wurde schnell ernüchtert, denn die Firma stellte primär Isolierglas her.“ Daraufhin begann er eine Zeichnerlehre, besorgte sich privat eine Tattooausrüstung, holte sich Basisinformationen von seinem Vater, der als Anästhesiepfleger tätig war.

Am eigenen Leib

Da der junge Künstler nichts davon hielt, auf Tierhaut zu üben, stach er sich Tattoos am eigenen Körper. „Meine Eltern waren entsetzt, aber ich wollte mich weiterentwickeln und musste das eine oder andere Fettnäpfchen mitnehmen.“ Biba begab sich mit einem Wohnmobil auf die Reise, jobbte hier und da und eröffnete schließlich auf Rügen seinen ersten Tattooshop. „In jeder freien Minute malte ich, sammelte Informationen über verschiedenste Stilrichtungen, erlernte das Dotwork der Maori.“ Diese Technik der Ureinwohner Neuseelands bezeichnet das tätowieren ohne Maschine. Durch Handarbeit entstehen aus feinen Punkten ganze Bildmotive. In dieser Zeit begann Biba auch, mit Holz und anderen Materialien zu arbeiten, nahm Aufträge an. „Unser Ziel ist jetzt, europaweit durch Aufträge tätig zu werden“, bekräftigt er.

Matti begann als Bürokaufmann und hat auch erst später sein Hobby zum Beruf gemacht. Der gelernte Piercer traf auf Biba, als er sich ein Tattoo stechen lassen wollte. „Da unser Interesse ähnlich war, beschlossen wir, uns zusammenzutun und seither wirken wir grauen Wänden mit facettenreicher Kunst entgegen“, sagt Matti und Biba ergänzt: „Hauptsache individuell und besonders!“

Von Christina Pistor

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