Kulturelle Bekenntnisse

Karl Schönholtz

Während es in Bad Hersfeld schon seit einiger Zeit ungewöhnlich ruhig ist, waberten durch Rotenburg die wildesten Gerüchte, darunter das vom angeblich geplanten Verkauf der Arena auf dem Rodenberg. Was die Hoteliersfamilie Göbel dann bei einer Pressekonferenz verkündete, hatte mit der Veranstaltungshalle nichts zu tun – es ging vor allem um die ökologische Zertifizierung des Hotelbetriebs. Auch der kolportierte Abbau von Personal findet hier nicht statt, eher das Gegenteil. Zu vermuten bleibt nur, dass diese Gerüchte offenbar von anstehenden Veränderungen im benachbarten Herz- und Kreislaufzentrum befeuert wurden. Da wurde dann einfach mit Blick auf den Berg alles in einen Topf geworfen.

Kulturelle Bekenntnisse gab es in den vergangenen Tagen gleich aus zwei Richtungen und für zwei verschiedene Institutionen: So bekräftigte einer der Investoren beim Umbau des Parkhauses am Neumarkt, dass das Buchcafé hier eine neue Heimat finden soll – selbst wenn die eigentlich erhoffte finanzielle Unterstützung seitens der Stadt ausbleiben sollte. Das ist doch mal ein Wort in Zeiten, in denen – nicht ohne Grund – alles auf den Prüfstand gestellt wird. Das zweite Bekenntnis stammt vom Aufsichtsrat der Mitmachausstellung „wortreich“ im Schilde-Park. Der stellte der geplanten Neuausrichtung des Betriebskonzepts den Satz voran, dass das „wortreich“ dauerhaft Bestand haben wird und kontinuierlich weiter entwickelt werden soll. Von einer Schließung ist also keine Rede mehr. Gut so!

In einem SPIEGEL-Interview hat sich Claus Peymann, seit vielen Jahren Intendant am Berliner Ensemble, gegen den Vorwurf gewehrt, ein Theatermuseum zu betreiben. Peymann wollte den Begriff nicht negativ verstehen und verwies sowohl auf attraktive Museen, vor denen das Publikum Schlange steht wie auch auf die vergleichsweise hohe Auslastung in seinem Haus. Ich fand diese Bemerkungen sehr interessant, denn auch die Bad Hersfelder Festspiele wurden und werden ja immer mal wieder dafür kritisiert, dass die meisten Inszenierungen eher konventionell angelegt sind. Folgt man Peymanns Argumentation, dann könnte es gerade das sein, was der Großteil des Publikums schätzt – nicht nur in Berlin, sondern auch in Bad Hersfeld.

ks@hersfelder-zeitung.de

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