Kultur für alle

Kai A. Struthoff

Über meinen jungen Beraterstab, die Nachwuchs-Chefredakteure von „Zeitung in der Schule“, habe ich an dieser Stelle schon geschrieben. Jetzt machen die jungen Leute leider die gleiche Erfahrung wie so mancher Journalist. Eine Schülerin erhielt unappetitliche Post von einer angeblichen „Bürgerinitiative für Demokratie und Information“, die übelste Nazi-Propaganda verbreitete.

Wir haben uns deshalb entschieden, auf die Nachnamen in der täglichen „Zisch-Kolumne“ zu verzichten, um den Autoren und ihren Familien ähnliches zu ersparen. Dennoch zeigt der Vorfall leider aufs Neue, das Neo-Nazis auch bei uns aktiv sind und nicht einmal davor zurückschrecken, Kinder mit ihrem braunen Gedankengut zu belästigen.

Ältere Semester erinnern sich an das „Tanzcafé Bolender“, die Generation 40plus an die „Gartenlaube“, und zuletzt hieß die Lokalität am Kurpark-Eingang „Sportcafé“. Damit ist jetzt auch Schluss, denn der Betreiber hat zum Monatsende Mai gekündigt. Dieser Umstand weckt Begehrlichkeiten, denn die Immobilie als Ganzes ist auch für Investoren interessant, die sich dort anderes als Gastronomie vorstellen können. Dazu wird es jedoch aller Voraussicht nach nicht kommen. Mit-Eigentümer Jo Spangenberg geht davon aus, dass sich ein neuer Gaststättenbetreiber findet. Interessenten gibt es genug.

In der vergangenen Woche hatte ich einen Anruf aus Hamburg. Ein arbeitsloser Architekt, der jetzt von Hartz-IV lebt, wollte gern zu den Festspielen kommen. Doch die regulären Karten sind für ihn einfach zu teuer. Seine Anfrage bei der Kartenzentrale nach ermäßigten Tickets für Sozialschwache wurde abgewiesen. „So etwas gibt es bei uns nicht“, hörte der Mann erstaunt. Andere Städte, wie etwa Berlin, sind da schon weiter und geben Karten verbilligt ab. Warum eigentlich nicht auch wir?

Gewiss, Kartenpreise ab 16 Euro unter der Woche in den hinteren Reihen sind für viele wohl noch erschwinglich. Aber eben längst nicht für alle. Dabei sollte Kultur doch eigentlich kein Luxusgut sein.

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