Größere Praxen sollen möglichem Medizinermangel vorbeugen

In Kuhställen fehlen bald die Tierärzte

Hersfeld-Rotenburg. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte befürchtet, dass in ländlichen Regionen bald Nutztierärzte fehlen könnten. Es drohe ein ähnlicher Mangel wie bei den Allgemeinmedizinern, wenn sich der derzeitige Trend fortsetze, warnt Heiko Färber, Geschäftsführer des Bundesverbandes.

„Momentan sieht es bei uns noch gut aus“, sagt Thomas Berge, Amtstierarzt im Kreis Hersfeld-Rotenburg. „Hier betreuen derzeit sechs niedergelassene Tiermediziner hauptsächlich Rinderbetriebe. Allerdings erreichen mehrere von ihnen demnächst das Rentenalter. Wenn diese Ausfälle nicht von den anderen Praxen aufgefangen werden, gibt es im Rinderbereich Probleme.“

In der Region gebe es verhältnismäßig wenig Viehhaltung, daher lohne es sich für viele Landtierärzte nicht, sich hier niederzulassen. Auch gebe es nicht mehr viele kleine, sondern statt dessen wenige große Nutztierbetriebe. Das bedeutet für die Landtierärzte lange Fahrtwege, die sich nicht immer rechnen.

Heute studierten zudem vor allem Frauen Tiermedizin: „Sie könnten genauso gut wie Männer im Nutztierbereich arbeiten, interessieren sich aber häufiger für die Behandlung von Kleintieren und Pferden“, sagt Berge. Der Anreiz Landtierarzt zu werden, werde in Zukunft noch sinken, glaubt er. Das liege auch an der Honorierung, die sich angesichts der wirtschaftlichen Situation vieler Nutztierbetriebe nicht bessern werde.

Tierarzt Dr. Günter Weber, Vorsitzender des Hessischen Landesverbandes, gibt bezüglich eines Nutztierärztemangels vorerst Entwarnung für Nordhessen. Lücken gebe es aber bereits im südhessischen Odenwaldkreis und in Mittelhessen.

Weber hofft, dass der Beruf wieder beliebter werde, wenn sich in Zukunft mehr Gemeinschaftspraxen bilden. Dort gebe es geregelte Dienste und ausreichend Freizeit neben der Arbeit. ZUM TAGE

Von Jürgen Köcher und Irene Habich

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