Schausteller Herbert Nier kommt seit 50 Jahren zu Lolls – Enkelin wurde hier getauft

Küsschen unterm Verdeck

Drei Generationen von Schaustellern gemeinsam auf Lolls: Herbert Nier, Gretel Nier, Sylvia Nier und Jil Nier (von links). Herbert Nier ist seit 50 Jahren dabei. Seine „Raupe“ mit Verdeck war 1963 eine Sensation. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Seine „Raupenbahn“ mit Verdeck sei 1963 noch eine echte Sensation beim Lullusfest gewesen, erinnert sich Herbert Nier lachend. „Da konnte man heimlich drin schmusen.“ Heute bräuchten die Paare dafür freilich kein Verdeck mehr, aber damals sei sein Fahrgeschäft deshalb etwas Besonderes gewesen.

Der 84-jährige Schausteller nimmt seit 50 Jahren an Lolls teil – mit verschiedenen Fahrgeschäften oder Ständen, aber ohne Unterbrechung. „Ich bin hier bekannt und wir haben viele Freunde hier“, so Nier, der vor allem was die Karussells betrifft, stets etwas Neues bieten wollte. „Man muss sich der Nachfrage anpassen“, weiß der Branchenkenner.

Seit 29 Jahren betreibt Nier einen Fischstand, der seitdem immer an ähnlicher Stelle auf dem L’Hay-le-roses-Platz steht. Bis zum vergangenen Jahr war Nier auch noch aktiv am Schaustellerbetrieb beteiligt, jetzt überlässt der 84-Jährige anderen das Zepter. In das Geschäft mit der Fischbude ist Schwiegertochter Sylvia Nier eingestiegen. „Ich bin nur noch zu Besuch hier“, sagt Nier schmunzelnd.

Viele Generationen

Der Kasseler kommt selbst aus einer Schaustellerfamilie, ebenso wie seine Frau Gretel, die er 1953 heiratete, bevor sich das Paar selbstständig machte. „Schon meine Ur-Ur-Großeltern waren Schausteller“, so Nier, der beim weiteren Nachzählen auf etwa zehn Generationen kommt – und auch die Nachfolge ist gesichert.

Drei Generationen der Familie Nier sind bei Lolls 2013 vertreten. Sohn Bernd Nier betreibt den Musikexpress Starlight, die Enkel Mike und Jil Nier sind ebenfalls dabei. Die Elfjährige wurde 2002 sogar beim traditionellen Gottesdienst am Autoscooter getauft. „Mit Skianzug unter dem Taufkleid, weil es so kalt war“, erinnert sich Mama Sylvia Nier, deren Eltern gleichfalls Schausteller waren.

Herbert Nier war es auch, der vor „vielen Jahren“ den Schausteller-Wagen für den Festumzug ins Leben rief und deren Teilnahme lange organisierte. „Wir hatten jedes Jahr einen anderen schönen Wagen, und sind bei der Bevölkerung immer gut angekommen“, erklärt Nier stolz. Mit den heutigen Umzügen kann der Senior nicht mehr allzu viel anfangen, ihm fehlt der historische Bezug, große Lkw mit lauter Musik sind nicht sein Ding.

Regen, Schnee, aber auch sommerliche Temperaturen – „wir haben bei Lolls schon alles erlebt“, berichtet Nier. Die ein oder andere Anekdote gebe es nach 50 Jahren Lolls natürlich auch zu erzählen, verrät Nier. So sei ihm einmal ein hölzernes Unterlegkreuz gestohlen worden, das offenbar das Lollsfeuer am Brennen halten sollte. Auch blinde Passagiere habe es durchaus mal gegeben.

Heutzutage hätten er und seine Kollegen übrigens wesentlich mehr „Papierkam“ zu erledigen als früher. „Da war die Verabschiedung gleich die Anmeldung fürs nächste Jahr“, sagt Nier schmunzelnd.

„Ein gutes Publikum“

Was Lolls von anderen Volksfesten unterscheidet? „Lolls ist eine sehr lukrative Veranstaltung mit einem guten Publikum“, meint Herbert Nier. „Jeder Schausteller ist froh, wenn er hier einen Platz bekommt“. Sylvia Nier hebt die Verbundenheit der Menschen mit Lolls hervor. Selbst bei Regen sei der Platz nie leer. Selbstverständlich will die Schausteller-Familie auch 2014 wiederkommen. „Wer will das nicht?“, fragt der Senior.

Von Nadine Maaz

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