Ex-Hersfelder hat für einen Film 380 Bilder gemalt und sich ganz neu erfunden

Manfred Gruber: Des Künstlers anderes Ich

Manfred Gruber (rechts) mit Reinhold Schott (Museum) und Birgit zum Winkel (Magistrat) Vorbereitung Ausstellung Ich und Kaminski

Bad Hersfeld. Manfred Gruber lebt schon lange nicht mehr in Bad Hersfeld, doch in seiner Heimatstadt hat sich der Künstler unsterblich gemacht: Festspielfreunde schwärmen noch heute von den legendären Fäden in seinem Bühnenbild für den „Sturm“ oder den überdimensionalen Marionetten im „Kaufmann von Venedig“, und Grubers riesiger „Ikarus“ thront über dem Eingang der BUK-Fachhochschule auf dem Wehneberg.

Vor einigen Tagen war Gruber, der heute in Berlin lebt, wieder mal zu Besuch hier. Mit Reinhold Schott aus dem Kulturamt und Stadträtin Birgit zum Winkel besprach er Organisatorisches für eine Gemälde-Ausstellung, die ab 22. April im Kapitelsaal der „Galerie im Stift“ gezeigt wird. Und die ist etwas ganz Besonderes.

Für Wolfgang Beckers Verfilmung des Romans „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann hat Manfred Gruber 380 Bilder gezeichnet und gemalt. Im Buch wie im Film geht es einen schmierigen Journalisten, der die Biographie des vermeintlich blinden Malers Manuel Kaminski schreiben will – eine bissige Geschichte über die Eitelkeiten des Kunstbetriebes. Die Kunstwerke aus dem Film sind zum Teil im Stil der großen Meister gemalt – Manfred Grubers Varianten zu den Arbeiten von Picasso, Matisse oder Andy Warhol.

Im Mittelpunkt stehen aber die Gemälde von Manuel Kaminski. Den hat es in Wirklichkeit zwar nie gegeben, doch jetzt wird er zum anderen Ich des Malers Manfred Gruber. Denn Kaminskis Werk ist das Werk seiner Fantasie, seines Ausdrucks.

Dieses Spiel hat Gruber sogar auf die Spitze getrieben, als er im vergangenen Herbst in Berlin zu einer Kaminski-Ausstellung ins Bikini-Haus eingeladen hatte. Viele, viele Besucher kamen, und nicht wenige waren der Ansicht, dass es höchste Zeit für eine derartige Würdigung von Kaminiskis Schaffen gewesen sei. Über diesen Streich freut sich der Ex-Hersfelder noch heute ganz diebisch.

Bei der Ausstellung in der alten Heimat wird es Gruber jedoch kein Versteckspiel geben: Zu viele alte Freunde hat er hier noch, und die sind gespannt auf das, was ihnen „Manni“ aus Berlin mitgebracht hat.

Von Karl Schönholtz

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