Montagsinterview: Bürgermeister Thomas Fehling attackiert den Festspiel-Intendanten

"Künstler wenden sich ab"

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Thomas Fehling und Holk Freytag arbeiten inzwischen offenbar nicht mehr gut Hand in Hand. Der Bürgermeister wirft dem Intendanten vor, die vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgekündigt zu haben. Fotomontage: Team-Satz/Maaz

Bad Hersfeld. Der Streit zwischen Festspiel-Intendant Holk Freytag und Bürgermeister Thomas Fehling eskaliert. Im Interview mit Karl Schönholtz und Kai A. Struthoff erhebt der Bürgermeister schwere Vorwürfe gegen den Intendanten.

Herr Bürgermeister, wollen Sie den Intendanten mit Ihren Eingriffen in seine künstlerische Freiheit vergraulen?

Fehling: Von Eingriff in die künstlerische Freiheit kann keine Rede sein, es geht in erster Linie um organisatorische Fragen. Mir macht immer mehr das Verhalten des Intendanten Sorge. Ich bringe meine Kritik bei ihm persönlich oder in der Festspielkommission an. Dort muss man Stücke kritisch hinterfragen, oder ob beispielsweise die Breite des Angebots nützlich ist. Dafür ist das Gremium da. Der Einzige, der sich in den letzten Wochen öffentlich geäußert hat, und das zum Teil sehr abfällig, ist der Intendant.

Wundert Sie das? Sie haben kurz vor der Premiere Ihren Kämmerer in einer öffentlichen Sitzung die schlechten Vorverkaufszahlen problematisieren lassen. Das ist doch ein Affront gegen den Intendanten?.

Fehling: Das sehe ich anders. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde ein Finanzbericht gefordert, den ich dann auch offen und ehrlich liefere. Wir haben dort Risiken aufgezeigt und befürchtete Einnahmeausfälle angesprochen. Das habe ich früher von Bürgermeister Boehmer gefordert. Deshalb werde mich jetzt selbst so verhalten und wahrheitsgemäß berichten – auch wenn mir die Zahlen nicht gefallen.

Nochmal: Wollen Sie den Intendanten vergraulen?

Fehling: Ich finde sein Verhalten unprofessionell und egoistisch. Ich habe mich mit meiner Kritik zum Wohle der Festspiele bisher zurückgehalten, aber der Intendant geht in die Öffentlichkeit und greift mich an. Dabei hält sich der Intendant weder an mündliche Verabredungen, an Beschlüsse des Magistrats oder an Verträge. Er ignoriert diese einfach. Wenn das Bestehen auf Verabredungen als Majestätsbeleidigung verstanden wird und mit öffentlichen Angriffen beantwortet wird, ist das nicht die richtige Vorgehensweise.

Wenn das so ist – ist Ihr Verhältnis dann noch zu kitten?

Fehling: Ich habe schon große Sorge, wie die Zusammenarbeit zwischen Intendant, Bürgermeister und Magistrat funktionieren soll, wenn unsere Vorgaben nicht eingehalten werden. Aus meiner Sicht hat Holk Freytag mit dem Interview in Ihrer Zeitung am 8. Mai die vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgekündigt.

Der Intendant hat beklagt, dass ihm der Rückhalt für die Festspiele in der Stadt fehlt. Inzwischen sorgt sich sogar Ex-Intendantin Elke Hesse im landesweiten Hessischen Rundfunk um die Festspiele.

Fehling: Ich finde es seltsam, dass sich Elke Hesse äußert, ohne auch das Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen. Man sollte doch beide Seite hören. Ich träume von UNSEREN Bad Hersfelder Festspielen, doch davon sind wir weit entfernt.

Warum?

Fehling: Mir missfällt sein Umgang mit meinen Mitarbeitern und den Ehrenamtlichen. Bei mir häufen sich die Beschwerden der Bühnen- und Verwaltungsmitarbeiter, dass sie seinen Stil nicht mehr akzeptieren. Selbst Künstler, wie etwa Volker Lechtenbrink, oder Statisten wenden sich inzwischen ab. Sogar das Rote Kreuz hat die Nase voll von den cholerischen Ausbrüchen des Intendanten. Es besteht der Eindruck, dass der Intendant aus den Hersfelder Festspielen um jeden Preis die Holk-Freytag-Festspiele machen will. Das hat er ja auch mit dem Dresdner Kreuzchor bewiesen....

Sie waren gegen dieses Konzert, aber nehmen gern die zehn Prozent von den Einnahmen...

Fehling: Das ist die Vorverkaufsgebühr der Kartenzentrale für nicht städtische Veranstaltungen und gilt für jeden, der über die Stadt Eintrittskarten verkaufen möchte. Außerdem hat uns dieses Konzert finanziell sehr geschadet. Wir mussten auf eine Einnahme von etwa 90 000 Euro verzichten, weil es an jenem Freitag statt zwei nur eine Vorstellung in der Stiftsruine gab, die auch noch viel zu spät angekündigt wurde. Die Einnahme lag bei nur 25 000 Euro. Dieses Geld fehlt uns schmerzhaft. Der Intendant arbeitet auf zu vielen Baustellen und vernachlässigt dabei sein Kernprodukt.

Auch die Frage der Zusammenarbeit von Festspielen und Oper muss beantwortet werden. Helgo Hahn hat seine Vorstellungen bei der Festspielpreis-Verleihung erläutert. Müssen Sie da nicht endlich das Heft des Handelns in die Hand nehmen?

Fehling: Es gibt keinen Zeitdruck. Es sind noch zweieinhalb Jahre. Wir werden nach dieser Spielzeit eine Lösung suchen. Ich habe den Vorstand der Freunde der Stiftsruine eingeladen, um mir deren Vorstellungen anzuhören. Ich frage mich, wie es gelingen soll, Oper und Festspiele unter ein Dach zu holen, wenn doch der Festspiel-Intendant öffentlich bekundet, dass ihm der Arbeitskreis für Musik egal ist. Die Antwort des AfM liegt ja inzwischen vor. Zudem finde ich, dass Helgo Hahn einen ungünstigen Zeitpunkt für seinen Vorstoß gewählt hat. Immerhin stecken die Opern-Akteure mitten in den Vorbereitungen, da sollte auch Helgo Hahn als Künstler drauf Rücksicht nehmen.

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